
Lange Nacht Das literarische Prag: Als Franz Kafka die Moderne erfand
Sep 25, 2026
Lukas Meyer-Blankenburg, Journalist und Autor für Deutschlandfunk Kultur, führt durch das literarische Prag. Kaffeehauskultur, Mehrsprachigkeit und der Mythos vom Golem treffen auf Kafkas Humor, Arbeitswelt und überraschende Nähe zur Stadt. Dazu: Milena Jesenská, Egon Erwin Kisch, Hašek, Kundera und das Ende einer einzigartigen Kultur durch Nationalsozialismus und Kommunismus.
02:37:31
Stalinismus Verbannte Kafka Aus Der Debatte
- Der Stalinismus erklärte Kafka und die Prager Moderne wegen ihrer bürgerlichen, nichtkommunistischen Perspektive für kaum diskutierbar.
- Erst der Prager Frühling öffnete wieder Raum für eine Neubewertung dieser Autoren.
Die Kafka-Konferenz Wurde Politisch
- Die Kafka-Konferenzen von Liblice rehabilitierten Kafka, indem sie ihn als Humanisten und Kritiker moderner Entfremdung deuteten.
- Diese literarische Neubewertung wirkte über Kafka hinaus als Impuls für demokratische Reformen.
Schwejk Entlarvt Die Macht Durch Gehorsam
- Jaroslav Hašeks Schwejk und Kafka verbindet ein Held ohne feste Eigenschaften, der gesellschaftliche Absurdität sichtbar macht.
- Schwejk entlarvt Bürokratie und Militär gerade dadurch, dass er jeden Befehl gehorsam ausführt.
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Intro
00:00 • 3min
Prag als europäische Literaturhauptstadt
03:13 • 2min
Die mehrsprachige Metropole Prag
05:39 • 1min
Golem, Judenstadt und literarische Mythen
06:44 • 1min
Kafka als touristisches Wahrzeichen
08:01 • 2min
Kafkas Kindheit zwischen Abriss und Aufbruch
10:19 • 2min
Kafkas Humor in Tagebüchern und Briefen
12:21 • 6min
Max Brod und die Rettung Kafkas
17:54 • 4min
Der Mensch hinter dem düsteren Kafka-Bild
21:26 • 5min
Kafka als Versicherungsbeamter
26:42 • 2min
Warum Prag in Kafkas Werk kaum erscheint
28:53 • 2min
Industrialisierung und kulturelle Grenzflächen
30:50 • 41sec
Egon Erwin Kisch entdeckt die ganze Stadt
31:31 • 3min
Tschechische und deutsche Literatur im Austausch
34:11 • 12min
Unsichtbare Frauen der Prager Literaturszene
46:04 • 2min
Milena Jesenská: Schreiben zwischen Leidenschaft und Widerstand
48:16 • 5min
Das Ende des literarischen Prag
53:30 • 6min
Kafka und Prag hinter dem Eisernen Vorhang
59:23 • 12min
Jaroslav Hašek und die tschechische Absurdität
01:11:04 • 15min
Milan Kundera zwischen Individuum und Ideologie
01:26:28 • 17min
Der Prager Frühling und literarische Freiheit
01:43:57 • 10min
Nach der Invasion: Schreiben im Untergrund
01:53:53 • 12min
Samisdat, Exil und verbotene Bücher
02:05:53 • 8min
Das literarische Erbe wird wiederentdeckt
02:13:56 • 11min
Lenka Reinerová bewahrt Prags Erinnerung
02:24:37 • 9min
Prag als lebendige literarische Vergangenheit
02:33:13 • 2min
Outro
02:35:40 • 2min

#56991
Der brave Soldat Schwejk


Jaroslav Hašek
Der Roman erzählt die grotesken und komischen Erlebnisse des gutmütigen Soldaten Josef Schwejk, der sich im Getriebe der k.
u. k. Militärmaschine behaupten muss.
Das Werk gilt als Klassiker der Weltliteratur und als eine der bekanntesten Satiren auf Krieg, Autorität und Bürokratie.
#81039
Das Handbuch der deutschen Literatur Prags und der böhmischen Länder

Manfred Weinberg
Das Handbuch versammelt Porträts zahlreicher Autoren aus Prag und den böhmischen Ländern.
Es rückt Kafka in den Zusammenhang einer vielfältigen literarischen Landschaft und behandelt auch heute weniger bekannte Schriftsteller.
Dabei berücksichtigt es die Verflechtungen zwischen deutschsprachiger, tschechischer und jüdischer Kultur.
Das Werk dient als wissenschaftliche Grundlage für die Erforschung der Prager Moderne.
Es korrigiert zugleich vereinfachende Vorstellungen einer vollständig voneinander getrennten literarischen Welt.
#54159
Severins gang in die finsternis

Paul Leppin
Paul Leppins Roman schildert das nächtliche Prag als Raum von Begehren, Rausch und Gefahr.
Im Mittelpunkt steht Severin, ein ruheloser Flaneur, der durch die Stadt streift und wechselnden Liebesbeziehungen nachgeht.
Die Stadt erscheint dabei zugleich als konkreter urbaner Ort und als traumhafte, von Leidenschaften durchdrungene Kulisse.
Leppin verbindet dekadente Stimmungen mit einer starken poetischen Bildsprache.
Das Werk gehört zu den heute weniger bekannten, aber charakteristischen Romanen der deutschsprachigen Prager Literatur um 1900.
#97776
Der Thronfolger

Ludwig Winder
Ludwig Winder zeichnet in diesem Roman ein wenig schmeichelhaftes Porträt des späteren Thronfolgers Franz Ferdinand.
Im Mittelpunkt stehen seine Kindheit, sein Ehrgeiz und seine Schwierigkeiten im Umgang mit Macht.
Die private Psychologie der Figur wird mit dem politischen Niedergang der Habsburgermonarchie verbunden.
Winder schildert den Thronfolger als Menschen, dessen Machtanspruch seine persönlichen Fähigkeiten übersteigt.
Der Roman wurde 1937 verboten und später als bedeutende Wiederentdeckung der Prager Literatur gewürdigt.
#133381
Orangentage

Iva Procházková
Iva Procházkovás Jugendroman erzählt von Darek, dessen Mutter an Leukämie gestorben ist.
Gemeinsam mit seinem alkoholkranken Vater muss der Vierzehnjährige seinen Alltag und seine widersprüchlichen Gefühle bewältigen.
Die Geschichte handelt von Trauer, familiärer Überforderung und dem schwierigen Erwachsenwerden.
Procházková schildert die innere Welt eines Jugendlichen mit großer psychologischer Genauigkeit.
Der Roman zeigt, wie junge Menschen zwischen verschiedenen moralischen und emotionalen Welten Orientierung suchen.
#63388
Zu Hause in Prag - manchmal auch anderswo

Lenka Reinerová
Lenka Reinerová betrachtet Prag aus der Perspektive einer Schriftstellerin, die viele Länder und politische Umbrüche erlebt hat.
Sie beschreibt vertraute Straßen, Dächer und jüdische Erinnerungsorte der Stadt.
Dabei stellt sie ihre Verbundenheit mit Prag ausdrücklich neben ihre Offenheit gegenüber der Welt.
Das Buch verbindet autobiografische Rückblicke mit poetischen Stadtbildern.
Es vermittelt die Erfahrung, dass Heimat trotz Flucht, Exil und internationalem Leben an einem konkreten Ort fortbestehen kann.
#80946
Leben mit dem Stern

Jiří Weil
Jiří Weils Roman erzählt vom Alltag Josef Roubitscheks während der nationalsozialistischen Besetzung Prags.
Der Protagonist lebt zurückgezogen und ist ständig von Deportation und Tod bedroht.
In seinen Gedanken spricht er mit der geliebten Rujana, deren Schicksal ungewiss bleibt.
Der Roman zeigt die psychische Zerstörung durch Verfolgung ebenso wie die schwierige Verantwortung des Überlebens.
Seine autobiografischen Bezüge verleihen der Geschichte zusätzliche historische und moralische Eindringlichkeit.
#121098
Das Traumcafé einer Pragerin

Lenka Reinerová
Lenka Reinerová erschafft ein imaginäres Café im Himmel, das von ihren früheren Weggefährten besucht wird.
Die verstorbenen Autoren, Künstler und Bekannten kommentieren von dort aus das Treiben der Stadt.
Der Traum verbindet persönliche Erinnerung mit einer humorvollen Vorstellung literarischer Kontinuität.
Prag erscheint als Stadt, deren Vergangenheit trotz großer politischer und gesellschaftlicher Veränderungen lebendig bleibt.
Das Buch ist zugleich Abschied, Hommage und tröstliche Beschwörung einer untergegangenen Kulturlandschaft.
#92193
Närrisches Prag

Lenka Reinerová
Lenka Reinerová verbindet in diesem Erinnerungsbuch persönliche Erlebnisse mit Beobachtungen zur Prager Kulturgeschichte.
Das Café Arco wird zum Symbol einer vergangenen literarischen Welt, in der tschechische und deutschsprachige Autoren zusammentrafen.
Jahrzehnte später erlebt Reinerová den Ort als alltägliche Betriebskantine und kontrastiert Gegenwart und Erinnerung.
Ihr Blick ist zugleich humorvoll, melancholisch und historisch bewusst.
Das Buch bewahrt damit ein Stück der kosmopolitischen Prager Literaturgeschichte vor dem Vergessen.
#119728
Der Scherz


Milan Kundera
Milan Kunderas Roman erzählt, wie eine beiläufige ironische Bemerkung das Leben des Studenten Ludvik nachhaltig zerstört.
Die kommunistische Partei deutet seinen Scherz als politischen Verrat und schließt ihn aus der Gesellschaft aus.
Jahre später versucht Ludvik, sich an den Verantwortlichen zu rächen, doch auch dieser Plan führt zu Enttäuschung.
Der Roman verbindet mehrere Perspektiven mit Reflexionen über Erinnerung, Schuld und historische Macht.
Er gilt als frühes Schlüsselwerk der tschechischen Literatur über den Stalinismus.
#109834
Beschreibung eines Kampfes


Franz Kafka
Die Erzählung gehört zu Kafkas frühen Prosaarbeiten und verbindet konkrete Prager Schauplätze mit traumartigen Wahrnehmungen.
Ein Ich-Erzähler bewegt sich mit einem Bekannten durch die nächtliche Stadt.
Die Handlung folgt weniger einer klassischen Dramaturgie als wechselnden Stimmungen, Fantasien und Perspektiven.
Prag wird dabei als labyrinthischer und zugleich vertrauter Erfahrungsraum sichtbar.
Der Text weist bereits auf Kafkas spätere Themen wie Entfremdung, Unsicherheit und die Instabilität der Wirklichkeit voraus.

#44179
• Mentioned in 2 episodes
Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins


Milan Kundera
„Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ ist ein bedeutender Roman von Milan Kundera, der die existenziellen Fragen von Leichtigkeit und Schwere im menschlichen Leben thematisiert.
Der Roman spielt vor dem Hintergrund des Prager Frühlings und der sowjetischen Invasion 1968 und verbindet persönliche Schicksale mit politischen Ereignissen.
Kundera nutzt eine Mischung aus philosophischer Reflexion und erzählerischer Kunst, um die Ambivalenz menschlicher Entscheidungen und Beziehungen zu beleuchten.

#23958
• Mentioned in 3 episodes
Der Prozess


Franz Kafka
Franz Kafkas 'Der Prozess' schildert die Erlebnisse von Josef K., der ohne klare Anklage von einer anonymen Justiz verfolgt wird.
Der Roman entfaltet eine beklemmende Atmosphäre irrationaler Bürokratie und entfremdender Machtstrukturen.
Kafka zeigt, wie undurchsichtige Prozeduren das Individuum verunsichern und handlungsunfähig machen.
Stilistisch kombiniert das Werk surreale Szenen mit präziser, nüchterner Prosa, wodurch die Bedrohung durch Verwaltung und Recht sichtbar wird.
'Der Prozess' zählt zu den zentralen Texten der Moderne und der Literaturkritik über Bürokratie und Entfremdung.
Anfang des 20. Jahrhunderts war Prag die europäische Hauptstadt der Literatur, ein kultureller Schmelztiegel im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn. Hier wirkten Rainer Maria Rilke, Franz Werfel, Max Brod - vor allem aber Franz Kafka. Meyer-Blankenburg, Lukas www.deutschlandfunkkultur.de, Lange Nacht

