Der Podcast beleuchtet die drängende Frage, wie Kriege beendet werden können, besonders im Kontext des Ukraine-Konflikts. Es wird die komplexe Definition von Frieden diskutiert, wobei zwischen negativem und positivem Frieden unterschieden wird. Die Dynamik von Friedensverhandlungen und die Herausforderungen dabei, insbesondere in Bürgerkriegen, stehen im Fokus. Zudem wird die Rolle von Sanktionen kritisch hinterfragt und die Bedeutung von Vergebung für echte Versöhnung betont.
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Quick takeaways
Frieden wird oft als Abwesenheit von physischer Gewalt definiert, während positiver Frieden strukturelle Ungleichheiten in der Gesellschaft ansprechen möchte.
Sanktionen können Druck auf autoritäre Regime ausüben, sind jedoch oft ineffektiv und wirken am besten, wenn sie nur angedroht werden.
Deep dives
Die Komplexität von Frieden
Frieden wird oft als das Ende von physischer Gewalt definiert, was den negativen Frieden beschreibt. Diese Definition legt den Fokus auf die Abwesenheit von direkter Gewalt, während der positive Frieden auch strukturelle Ungleichheiten in der Gesellschaft angehen möchte. Um langfristigen und nachhaltigen Frieden zu schaffen, ist es wichtig, zur Bekämpfung von Ausgrenzung und Ungleichheiten beizutragen, was jedoch in der Praxis schwierig zu erreichen ist. Daher wird in dieser Diskussion hauptsächlich der negative Frieden betrachtet, da er für viele aktuelle Konflikte entscheidend ist.
Wege zum Kriegsende
Es werden vier Hauptwege diskutiert, wie Kriege enden können: Durch einen Sieg einer Seite, ein Friedensabkommen, eine Waffenruhe oder durch eine Reduzierung der Gewalt auf ein niedriges Niveau. Historisch betrachtet ist es unwahrscheinlich, dass lange Konflikte durch einen Sieg einer Partei abgeschlossen werden, vor allem wenn sie über einen längeren Zeitraum andauern. Ein Beispiel hierfür ist der Bosnienkrieg, der nach langen Kämpfen durch ein Friedensabkommen endete, jedoch oft in der Wahrnehmung als „Trugschluss des Friedens“ gilt. Auch Waffenruhen können temporär sein, was zeigt, dass viele Konflikte ungelöst bleiben, selbst wenn die Gewalt reduziert wird.
Die Rolle von Sanktionen
Sanktionen sind ein wichtiges Werkzeug in der internationalen Diplomatie und können Druck auf autoritäre Regime ausüben, allerdings sind sie nicht immer effektiv. Die Forschung zeigt, dass Sanktionen am effektivsten sind, wenn sie nur angedroht werden, anstatt tatsächliche Maßnahmen umzusetzen. Historisch verändert nur etwa ein Drittel der verhängten Sanktionen das Verhalten der betroffenen Staaten, was hinterfragt, warum sie überhaupt verhängt werden. Letztlich sind Sanktionen auch ein symbolisches Mittel, um Normen durchzusetzen und einen Rahmen für zukünftige Verhandlungen zu schaffen.
Seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine fühlen sich viele ziemlich hilflos. Wir sehen täglich diese aufwühlenden Nachrichten, wir hören oder treffen Menschen, die gerade eben aus der Ukraine geflüchtet sind. Und es wird auf allen Ebenen diskutiert: Wie kann dieser Krieg gestoppt werden?
In dieser Folge „Wissen Weekly“ schauen wir uns an, was wir aus der Vergangenheit, aus früheren Konflikten, fürs Heute lernen können - welche Mittel waren und sind effektiv um Kriege zu beenden? Wir sprechen mit ehemaligen Diplomaten und Friedensforscher*innen: Wie wirksam sind Sanktionen? Welche Rolle spielt dabei, wie lange dieser Konflikt noch andauert? Und: Wie laufen Friedensverhandlungen eigentlich ab?
Eine Übersicht über alle weltweiten Konflikte seit 1975 gibt es beim Uppsala Conflict Data Program. Was ist Frieden genau? Informationen dazu und über unsere Gesprächspartnerin Prof. Dr. Susanne Buckley-Zistel findet ihr auf den Seiten des Zentrums für Konfliktforschung . Wie wirksam Sanktionen bei Konflikten sind, dazu forscht Christian von Soest beim German Institute for Global and Area Studies.