

Polarisierung II: Über Gruppendynamik
Polarisierung ist ein sehr grundlegendes Manöver unserer Wahrnehmung und unseres Urteilsvermögens und damit natürlich so alt wie die Menschheit selbst. Die Römer kannten beispielsweise einen polarisierten Gott (sozusagen): Janus. Er blickt mit zwei Gesichtern zugleich zurück und nach vorn, in Vergangenheit und Zukunft – er war der Gott der Türen, Schwellen und Übergänge. In seiner janusköpfigen Doppelgestalt steckt ein uraltes Bild der Spaltung. Es ist kein Zufall, dass er einer von den Göttern mit der Verantwortung für Krieg und Frieden war
Und darum geht es in dieser Episode: Spaltung, Polarisierung und die Dynamik von Gruppen. Wir beginnen mit dem berühmten "Robbers-Cave-Experiment", in dem Mustafer Sherif gezeigt hat, wie schnell harmlose Gruppen von Jugendlichen erbitterte Gegner werden können. Dann blicken wir auf die Studien von Serge Moscovici und Marisa Zavalloni, die eindrucksvoll vorführen, wie sich in Gruppen ganz von selbst polarisierte Meinungen bilden und das Urteil ihrer Mitglieder verschieben. Heute sehen wir diese Mechanismen nicht mehr nur in psychologischen Experimenten, sondern tagtäglich in der Dynamik der sozialen Netzwerke und in fast allen öffentlichen Debatten.
Umso spannender sind Projekte wie „Deutschland spricht“ der Wochenzeitung "DIE ZEIT", die Menschen mit völlig gegensätzlichen Ansichten gezielt ins Gespräch bringen konnten. Wir berichten von den Ergebnissen und hoffen, dass es Interventionen gibt, die der Spaltung etwas entgegensetzen.
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Zum Episodenbild: Janus ist natürlich seit Jahrtausenden Gegenstand von künstlerischen Abbildungen - übrigens sehr gerne auch auf Münzen! Wir haben für unsere Podcastfolge aber ein zeitgenössisches Bild ausgesucht, das der Künstler und Fotograf Tony Grist 2011 in schön polarisierten glau-gelb-Komplementärfarben gemalt hat.
Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Janus_.jpg