Gluten, Laktose & Co: Woher kommen unsere Unverträglichkeiten?
Oct 31, 2021
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Nahrungsmittelunverträglichkeiten nehmen zu – sowohl echt als auch eingebildet. Die Ursachen und Veränderungen in der Ernährung werden genau unter die Lupe genommen. Spannend ist, wie die Teigruhezeit in Bäckereien das Gluten beeinflussen kann. Auch die Vielfalt der Lebensmittel hat seine Auswirkungen auf unsere Identität. Zudem wird die Popularität der glutenfreien Ernährung hinterfragt und es werden praktische Tipps für eine glutenfreie Küche gegeben. Ein Einblick in das Leben mit Zöliakie rundet das Ganze ab.
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Quick takeaways
Für Menschen mit Zöliakie ist es lebenswichtig, Gluten strikt zu meiden, da bereits geringste Spuren gesundheitliche Schäden verursachen können.
Die Zunahme von angegebenen Lebensmittelunverträglichkeiten könnte sowohl auf veränderte Lebensstile als auch auf eine wachsende Tendenz zur Selbstdiagnose zurückzuführen sein.
Deep dives
Die Herausforderung der Zöliakie
Für Menschen mit Zöliakie ist es entscheidend, Gluten vollständig zu meiden, da schon kleinste Spuren von Gluten gesundheitliche Schäden verursachen können. Tamara Wittenburg, selbst Betroffene, schildert, dass bereits ein Teller mit glutenhaltigem Brot für sie kontaminiert ist und sie ihn nicht mehr benutzen kann. Die Empfindlichkeit kann variieren, einige Menschen zeigen möglicherweise keine Symptome, während im Dünndarm dennoch Schäden auftreten können. Diese strengen Vorsichtsmaßnahmen sind notwendig, um ernsthafte gesundheitliche Folgen zu vermeiden.
Steigender Trend zu Unverträglichkeiten
Studien zeigen, dass immer mehr Menschen an Lebensmittelunverträglichkeiten leiden, während die tatsächliche Zahl der diagnostizierten Zöliakie-Patienten stabil bleibt. Eine Untersuchung von 2013 und 2016 ergab, dass die Laktoseintoleranz unter jungen Erwachsenen von 1% auf 12% angestiegen ist. Der Anstieg solcher Unverträglichkeiten könnte sowohl an veränderten Lebensstilen als auch an einer steigenden Sensibilisierung gegenüber Nahrungsmittelallergien liegen. In der heutigen Gesellschaft scheinen immer mehr Menschen die Erfahrung zu machen, dass bestimmte Lebensmittel bei ihnen Symptome hervorrufen.
Psychologische Faktoren und Selbstdiagnose
Ein bedeutender Aspekt, der zur Zunahme von angegebenen Unverträglichkeiten beiträgt, ist die Tendenz zur Selbstdiagnose, die oft ohne medizinische Bestätigung erfolgt. Experten weisen darauf hin, dass nur etwa 10% der Menschen mit Unverträglichkeiten eine offizielle Diagnose erhalten haben. Zudem führt die Individualisierung des Essens dazu, dass viele sich durch das Label einer Unverträglichkeit eine besondere Identität schaffen. Verhaltenspsychologen erklären, dass negative Erfahrungen mit bestimmten Lebensmitteln zu einer Art 'Erlernung' von Unverträglichkeiten führen können, ohne dass eine tatsächliche medizinische Grundlage vorliegt.
Einfluss von Ernährung und Industrialisierung
Die Diskussion um Lebensmittelunverträglichkeiten wird auch durch Veränderungen in der Lebensmittelindustrie beeinflusst, insbesondere durch moderne Weizensorten und deren Verarbeitung. Dr. Sabrina Geislitz untersucht, warum alte Weizenarten besser vertragen werden könnten, und stellt fest, dass ihre Proteine weniger immunreaktives Potenzial haben. Zudem spielt die Zubereitung von Lebensmitteln eine Rolle; lange Teigruhezeiten können die Verträglichkeit beeinflussen. Diese Faktoren zeigen, dass sowohl genetische als auch kulturelle Aspekte unsere Ernährung und die damit verbundenen Unverträglichkeiten formen.
„Ist da Gluten drin?“ oder „Habt ihr auch Pflanzenmilch da?“ – wahrscheinlich kommen Euch diese Fragen bekannt vor. Auch Umfragen bestätigen, dass immer mehr Menschen das Gefühl haben eine Unverträglichkeit auf bestimmte Lebensmittel entwickelt zu haben. Aber kann das sein? Wissen Weekly darüber, wie sich unsere Lebensmittel verändert haben, wie man mit einer echten, diagnostizierten Glutenunverträglichkeit lebt und warum man sich aus psychologischer Sicht Unverträglichkeiten auch einbilden kann.
Wenn ihr wissen wollt, wie viele Menschen eine Unverträglichkeit angeben, empfehlen wir euch diese und diese Studien bzw. Umfragen. Solltet ihr Freund*innen haben, die völlig unbegründet auf glutenhaltige Lebensmittel verzichten, wäre diese Studie für die vielleicht interessant. Und wenn ihr Einblicke in das Leben mit einer besonders starken Ausprägung einer Unverträglichkeit bekommen wollt, empfehlen wir euch den Account von Tamara Wittenburg. Dort erzählt die selbstständige Ernährungsberaterin von ihren Erfahrungen mit Zöliakie, einer Glutenunverträglichkeit.