Prof. Dr. Torsten Zuberbier, Allergologe und Direktor an der Berliner Charité, beleuchtet die steigende Heuschnupfen-Inzidenz und den Einfluss des Klimawandels auf Allergien. Er erklärt, wie genetische und Umweltfaktoren das Allergierisiko beeinflussen. Zudem wird die Problematik der Kreuzallergien und die Herausforderungen für Betroffene thematisiert. Maja, eine Allergikerin, teilt ihre persönlichen Erfahrungen und fordert mehr Aufmerksamkeit für das Thema. Innovative Ansätze in der Allergieforschung zeigen neue Perspektiven zur Bewältigung dieser wachsenden Herausforderung.
Heuschnupfen hat erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen, wie die Erfahrungsberichte von Maja zeigen, die unter starken Symptomen leidet.
Die Klimakrise wirkt sich direkt auf die Pollenbelastung aus, wodurch Allergien zunahmen und sich die Allergiesaison verlängert hat.
Deep dives
Die Auswirkungen von Heuschnupfen auf den Alltag
Heuschnupfen hat erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen, wie die Erfahrungen von Maya zeigen. An Tagen mit starken Allergiesymptomen hat sie oft Schwierigkeiten, ihre Augen zu öffnen, leidet unter Niesattacken und obstruktiver Nasenatmung, was ihre Konzentration im Unterricht beeinträchtigt. Der Allergologe Thorsten Zuberbier hebt hervor, dass nicht nur die Nase betroffen ist, sondern das gesamte Immunsystem reagieren kann, was zu Abgeschlagenheit und verminderter Leistungsfähigkeit führt. Dieser körperliche Stress kann letztlich sogar zu schlechteren schulischen Leistungen führen, da Studien zeigen, dass Allergiker eine über 40-prozentige Wahrscheinlichkeit haben, eine Note schlechter abzuschneiden, nur aufgrund ihrer Allergien.
Die Rolle des Begriffs 'Heuschnupfen'
Der Begriff 'Heuschnupfen' wird oft als verniedlichend empfunden und trägt zur Trivialisierung der Erkrankung bei, was laut Zuberbier problematisch ist. Die irreführende Namensgebung führt dazu, dass Menschen mit diesen Allergien nicht ernst genommen werden, obgleich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt, dass bis 2050 jeder zweite Mensch an einer Allergie leiden könnte. Diese Fehlinterpretation lässt die Bevölkerung über die tatsächliche Schwere der Symptome hinwegsehen, die oft zu erheblichen Einschränkungen im alltäglichen Leben führen. Die Diskussion über dieses Thema ist wichtig, um das Bewusstsein für die Herausforderungen und den Behandlungserfolg von Allergikern zu stärken.
Klimawandel und Pollenbelastung
Die Klimakrise hat einen direkten Einfluss auf die Pollenbelastung und verlängert die Saisonalität der Allergien. Durch wärmeres Wetter blühen Pflanzen früher und produzieren verstärkt Pollen, was die Symptome für Allergiker verschärft. Studien belegen, dass weniger frostfreie Tage mit einer höheren Pollenbelastung korreliert sind, während Pflanzen unter Klimastress aggressivere Pollen entwickeln. Diese Entwicklung führt nicht nur zu einer Zunahme von Allergien in der Bevölkerung, sondern auch zu verstärkten Kreuzallergien auf bestimmte Nahrungsmittel, was die Komplexität der Erkrankung erhöht.
Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten
Die richtige Diagnose ist der erste Schritt zur Behandlung von Heuschnupfen, wobei ein Prick-Test hilfreich ist, um Allergene zu identifizieren. Eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten steht zur Verfügung, darunter Antihistaminika und Nasensprays, die die Symptome lindern können. Für langfristige Lösungen existiert die Hyposensibilisierung, die das Immunsystem auf die Pollen trainiert und über einen Zeitraum von drei Jahren erfolgt. Es ist wichtig, die Allergie nicht zu unterschätzen, da unbehandelte Allergien zu ernsteren gesundheitlichen Problemen wie Asthma führen können.
Die Nase läuft, die Augen jucken, man fühlt sich morgens schon wie überfahren – das kann nur eins heißen: Es ist Heuschnupfenzeit! Und jedes Jahr gibt es mehr Betroffene: Nach offiziellen Schätzungen wird im Jahr 2050 jeder zweite Mensch eine Allergie haben. Und der Heuschnupfen spielt dabei eine große Rolle – dank der Klimakrise. Aber was passiert hier genau? Können wir uns davor schützen? Und wie können sich bereits Betroffene helfen? Diese Fragen klären wir in dieser Folge gemeinsam mit dem Allergologen Prof. Dr. Torsten Zuberbier. Und wir hören von Maja, die unter Heuschnupfen leidet, seit sie denken kann und sich wünscht, dass das Thema endlich ernst genommen wird.
Eine Liste mit möglichen Kreuzallergien findet ihr hier. Die retrospektive Datenanalyse zur Veränderung des Pollenflugs durch Klimaveränderungen könnt ihr hier einsehen. Die Studie zur Auswirkung von höheren Ozonwerten auf Birkenpollen findet ihr hier, und hier gibt es die Studie zum Zusammenhang zwischen der CO2-Belastung von Ambrosia-Pflanzen und Entzündungen in der Lunge. Und hier könnt ihr die Rechnung zu den von durch Heuschnupfen verursachten Kosten einsehen. Maja findet ihr auf TikTok @majanischegedanken. Und wenn ihr uns Feedback oder Heuschnupfen-Tipps schicken wollt, dann könnt ihr das per Mail tun, und zwar an: hallo@wissenweekly.de. Wir freuen uns auf Post von euch!
(00:00 - 03:13) Intro
(03:14 - 11:07)Teil 1: Das Allergie 1x1
(11:08 - 21:41) Teil 2: Der Einfluss vom Klimawandel