
SWR Kultur lesenswert - Literatur Liz Moore – Der andere Arthur
Feb 1, 2026
04:09
Das Erste, was du über mich wissen musst: Ich bin unglaublich dick.Mit diesem Geständnis beginnt Arthur einen Brief an seine alte Freundin Charlene. Als junger Universitätsdozent war er einst heftig in seine Studentin verliebt, dann pflegte er mit ihr eine jahrzehntelange Brieffreundschaft. Die Wahrheit schreibt Arthur ihr erst jetzt, nachdem Charlene ihn seit langem wieder einmal angerufen und ihren Besuch angekündigt hat: Nicht nur, dass er unheimlich zugenommen hat, auch, dass er sich schon lange nicht mehr aus seinem Haus im New Yorker Stadtteil Brooklyn traut.Quelle: Liz Moore – Der andere Arthur
Fressgelage als Trost in der Einsamkeit
In ihrem Roman Der andere Arthur lässt Liz Moore den Protagonisten mit viel Selbstironie sein einsames Leben schildern, in dem die häufigen Fressgelage sein einziger Trost sind: „Kekse mit Kokos, Macadamia und weißer Schokolade. Eine Schale Erdnuss M&Ms. Ein paar Bagels, die mit obszön vielen Samen, Körnern und leckeren kleinen Salzkörnern bestreut waren. Bagels, die mit einer dicken Schicht Butter und einer dicken Schicht Frischkäse bestrichen waren. Eine Schokoladentorte mit einer Kruste aus zerstoßenen Oreos. Drei Hamburger." Und so weiter… Die kulinarische Aufzählung nimmt kein Ende. Die Aussicht auf ein baldiges Wiedersehen mit seiner Jugendliebe, die ihm ihren Sohn vorstellen will, wirbelt Arthurs deprimierende Existenz dann gehörig durcheinander. Was er nicht ahnt: Auch Charlenes Leben ist traurig verlaufen.Der „andere Arthur“: Charlenes Baseball-begeisterter Sohn
Das erfahren wir, als Autorin Liz Moore die Erzählperspektive wechselt und dem „anderen Arthur“ das Wort erteilt. Und das ist Charlenes Sohn, auch er heißt Arthur, wird aber von allen „Kel“ genannt: ein 18-jähriger, Baseball-verrückter Schüler. Er und seine alleinerziehende Mom leben im New Yorker Vorort Yonkers in prekären Verhältnissen. Kel hat es nicht leicht: Er geht auf die Highschool im wohlhabenden Nachbarort, ist dort beliebt und gut integriert, übernimmt aber zugleich immer mehr Verantwortung für seine kranke Mutter Charlene. „Wenn es ganz schlimm kommt, dann sage ich meistens Sachen zu ihr, die sie beruhigen. Dann sage ich zu ihr: Mom, Mom. Wir müssen leise sein, sonst rufen die Nachbarn wieder an. Komm her auf die Couch. Da läuft gerade deine Sendung. Dann warte ich, bis sie eingeschlafen ist."Ich lasse sie auf der Couch liegen, und am nächsten Morgen liegt sie immer noch da.Auch Kel schildert sein Leben mit einer eigenen Erzählerstimme. Anders als bei dem älteren Arthur irritiert das manchmal, da Kels reife Sprache nicht wie die eines Teenagers klingt. Wichtiger aber ist, dass er uns seine Zerrissenheit nachfühlbar vermittelt – zwischen seinem schwierigen Zuhause und der Welt der Reichen. Die nimmt ihn, den hübschen, sportlichen Jungen, zwar freundlich auf – dennoch fühlt sich Kel in den Luxusvillen der Freunde fremd.Quelle: Liz Moore – Der andere Arthur
