
she drives mobility Wenn Journalismus auf ÖPNV-Realität trifft: Susanne Risch (brandeins) und Philipp Kühn (Zukunft Nahverkehr).
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Manchmal sind es die ungewöhnlichsten Kooperationen, die die interessantesten Erkenntnisse bringen. Als brandeins und die Initiative Zukunft Nahverkehr beschlossen, gemeinsam den Report „Mobilität in Zahlen“ zu entwickeln, ahnte wohl niemand, welche Widersprüche, Übereinstimmungen und Überraschungen dabei ans Licht kommen würden.
Susanne Risch, seit 26 Jahren bei brandeins, gibt offen zu: „Als wir gelernt haben, wie komplex das System Mobilität im öffentlichen Schienenverkehr eigentlich gemanagt wird – wenn du dir die Zahlen anguckst, wie viele Aufgabenträger, wie viele Verkehrsverbünde, wie viele regionale, lokale und sonstige Betreiber es gibt: Es ist eigentlich ein Wunder, dass überhaupt irgendwo in diesem Land irgendetwas fährt.“
Philipp Kühn von der Deutschen Bahn, der die Initiative Zukunft Nahverkehr verantwortet, kennt diese Komplexität natürlich. Aber auch für ihn war die Zusammenarbeit mit brandeins eine Entdeckungsreise. Der Impuls für die ganze Initiative kam, als der damalige Kanzler Scholz zu einem Mobilitätsgipfel lud. Auf den Abschlussfotos: sechs Herren von Automobilkonzernen und ein Kollege vom Fahrradverband. Öffentliche Mobilität? Fehlte komplett.
„Da kann man aber keinem zum Vorwurf machen, weil wir dezentral organisiert sind und es lokale Verantwortlichkeiten gibt. Aber es gibt einfach einen Mangel an übergreifender Sichtbarkeit des Themas“, erklärt Philipp. Die Autoindustrie macht seit Jahrzehnten erfolgreich Lobbyarbeit. Der ÖPNV hat das nie systematisch gelernt – oder konnte es aufgrund seiner föderalen Struktur nicht.
Das Spannende an der Kooperation: brandeins arbeitet journalistisch unabhängig Susanne betont: „In diesem speziellen Fall war es tatsächlich so, dass es an keiner einzigen Stelle auch nur den Hauch des Versuchs einer Einflussnahme gab, etwas zugunsten von ÖPNV oder Schiene oder zu Ungunsten von Auto zu kuratieren. Wirklich nicht ansatzweise.“
Was dabei herauskam, ist ein Report voller überraschender Zahlen.

Philipp nennt eine, die ihm besonders im Gedächtnis blieb: „60 Prozent wissen nicht, dass ÖPNV zur staatlichen Daseinsvorsorge gehört. Und mehr als die Hälfte weiß überhaupt nicht, wie der ÖPNV finanziert wird.“ Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Wir diskutieren ständig über Verkehrswende, aber die Grundlagen sind vielen Menschen gar nicht klar.

Noch absurder wird es bei den Widersprüchen, die die repräsentative Umfrage zutage brachte. Susanne lacht, als sie davon erzählt: „62 Prozent wünschen sich, dass die Innenstädte autofrei werden und sind gleichzeitig große Fans und sagen, wir können auf gar keinen Fall aufs Auto verzichten. Wir hatten vorgehabt, eine Seite zu machen mit nur solchen Widersprüchlichkeiten – haben wir aufgegeben, weil es gibt zu viele.“
Alle sind für die Verkehrswende. Alle sehen, dass sich etwas ändern muss. Aber alle zeigen auf die anderen, die sich zuerst bewegen sollen. Das zieht sich durch alle vier Publikationen, die brandeins und Zukunft Nahverkehr mittlerweile gemeinsam gemacht haben.
Besonders interessant fand Philipp eine andere Zahl: „54 Prozent der Befragten glauben, dass die Verkehrswende zu einer sozialen Spaltung führt. Ein Drittel empfinden Diskussionen über Mobilität als emotional. Und mehr als die Hälfte will mehr in den Diskurs eingebunden werden.“ Das erklärt vielleicht, warum die Debatte so festgefahren ist. Es geht immer ums Verbieten, ums Wegnehmen, ums Spalten. Nie um die Vorteile, die eine Veränderung bringen könnte.
Für Susanne war die Arbeit an den Reports eine echte Horizonterweiterung. „Dass Mobilität wirklich mehr ist, als von A nach B zu kommen. Dass Mobilität Klimaschutz bedeutet, dass Mobilität soziale Teilhabe bedeutet, Einfluss auf Gesundheit hat, auf psychische Gesundheit, auf soziales Miteinander. Diese ganze Dimension von Bedeutung – das ist mir erst in der Arbeit an diesen Publikationen klar geworden.“
Wir reden über CO2-Ausstoß und Pünktlichkeit. Dabei geht es um so viel mehr. Um Lebensqualität in Städten. Um soziale Teilhabe. Um Wirtschaftlichkeit von Regionen. Um die Frage, wer überhaupt noch am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann – und wer nicht.
Philipps Vision für die Zukunft ist dabei erstaunlich undogmatisch: „Ich würde mir wünschen, dass wir den Blickwinkel der Lebensqualität der Umgebung in den Mittelpunkt nehmen und es gleichzeitig schaffen, allen mehr als eine Mobilitätsalternative anzubieten.“
Er will sich auch nichts verbieten lassen. Würde gerne Auto fahren, wenn er Bock drauf hat. Aber die Frage ist eben: Wie viel Raum geben wir dem Ganzen? An welcher Stelle? Und schaffen wir es, Menschen mindestens zwei Alternativen zu geben?
Am Ende unseres Gesprächs landet Susanne bei einem Gedanken, der eigentlich banal klingt, aber offenbar schwer umzusetzen ist: „Das sind manchmal Minischritte und es sind vielleicht auch größere Schritte und es hat was mit Geld zu tun, jawohl. Aber es hat schon vor allen Dingen damit zu tun, dass wir aufhören, immer wieder mit dem Finger auf die anderen zu zeigen, weil die bescheuert und blöd sind. Sondern ja, den ersten Schritt macht jeder für sich selbst.“
Vielleicht ist das der eigentliche Wert solcher Reports. Nicht die pädagogische Belehrung, sondern Fakten, die einen ins Nachdenken bringen. Küchenzurufgeschichten, wie Susanne sie nennt. Zahlen, die man mit ins Büro nimmt, an den Abendbrottisch, in die Diskussion mit Freunden. Die einen vielleicht dazu bringen, einen Moment innezuhalten und zu fragen: Moment mal, warum mache ich das eigentlich so?
