Kristiana Ludwig, Nahostkorrespondentin von Tamedia und der Süddeutschen Zeitung, erklärt die jüngste Eskalation im Nahen Osten. Israel hat die Waffenruhe mit der Hamas beendet, was zu verheerenden Luftangriffen geführt hat. Ludwig beleuchtet die verzweifelte Lage der Zivilbevölkerung auf beiden Seiten. Massive Proteste in Israel richten sich gegen Premier Netanyahu, der unter Druck steht, während er gleichzeitig den Geheimdienstchef entlässt. Es droht eine Verfassungskrise, die die politische Stabilität gefährdet.
Die jüngsten militärischen Angriffe Israels auf den Gazastreifen verschärfen die humanitäre Krise und fordern über 400 zivile Opfer.
In Israel wachsen die Proteste gegen Premierminister Netanyahu, da seine politischen Entscheidungen als Bedrohung für die Demokratie wahrgenommen werden.
Deep dives
Eskalation der Angriffe im Nahen Osten
Die aktuellen militärischen Angriffe Israels auf den Gazastreifen stellen die schwersten seit Beginn der Waffenruhe vor acht Wochen dar. Diese Waffenruhe war während der Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas zustande gekommen, die jedoch zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis führten. Israel forderte eine Übergangslösung, die von der Hamas abgelehnt wurde, was schließlich zur Wiederholung der Angriffe führte. Über 400 Menschen wurden bei diesen neuen Kampfhandlungen getötet, was die angespannte Situation weiter eskalieren lässt.
Die Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung
Für die Zivilbevölkerung im Gazastreifen verschlechtert sich die Lage dramatisch erneut, da viele Menschen bereits mehrfach aufgrund vorheriger Angriffe vertrieben wurden. Nach einer kurzen Phase der Erleichterung, in der menschliche Grundbedürfnisse teilweise gedeckt werden konnten, sind sie nun erneut gezwungen, um ihr Überleben zu kämpfen. Die Rückkehr in unsichere Unterkünfte und Zeltlager verstärkt das Leid der Betroffenen. Auch in Israel wächst der Unmut unter den Angehörigen von Geiseln, die sich ein Ende der Kämpfe und humane Lösungen wünschen.
Innere Unruhen und politische Krisen
Die Proteste in Israel haben zuletzt an Intensität zugenommen, da viele Bürger unzufrieden mit den politischen Entscheidungen des Premierministers Benjamin Netanyahu sind. Diese Entscheidungen, einschließlich der Entlassungen des Geheimdienstchefs und der Generalstaatsanwältin, werden als Bedrohung für die demokratischen Institutionen angesehen. Kritiker argumentieren, dass solche Schritte in Kriegszeiten die Gesellschaft spalten und eine verfassungsmäßige Krise herbeiführen könnten. Diese faustgroßen Spannungen sind sowohl gesellschaftlich als auch politisch problematisch und könnten zu einer ernsthaften Bedrohung für die Stabilität des Landes führen.
Rund acht Wochen dauerte die jüngste Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas. Letzte Woche hat Israel sie beendet: Bei Luftangriffen auf Ziele der Hamas im Gazastreifen sind über 400 Menschen getötet worden. Wenig später beendet Israel auch die Waffenruhe mit der Hizbollah-Miliz im Libanon. Sie hat rund vier Monate gehalten. Es droht auch dort eine neue Eskalation der Gewalt.
Gleichzeitig gerät Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu innenpolitisch zunehmend unter Druck: Tausende Menschen demonstrieren gegen die Fortführung des Kriegs. Jetzt kommt es zu weiteren Protesten, weil Netanyahu den Geheimdienstchef Ronen Bar entlassen hat und auch noch die Generalstaatsanwältin Gali Baharav-Miara absetzen will. Beide sind in Ermittlungen gegen enge Mitarbeiter Netanyahus involviert.
Warum flammt der Krieg im Nahen Osten genau jetzt wieder auf? Steuert Israel mit den umstrittenen Entscheiden von Netanyahus Regierung auf eine Verfassungskrise zu? Und was bedeutet das für den weiteren Verlauf des Kriegs im Nahen Osten?
Kristiana Ludwig, Nahostkorrespondentin von Tamedia und der «Süddeutschen Zeitung», ordnet die aktuelle Lage ein – in einer neuen Folge des täglichen Podcasts «Apropos».
Host: Mirja Gabathuler Gast: Kristiana Ludwig Produktion: Noah Fend