In dieser Folge sind Lena Bodewein, Wissenschaftsjournalistin, die Trauerkulturen weltweit betrachtet, Marei Korzerke, Psychoonkologin, die die biologischen und psychologischen Aspekte der Trauer erklärt, und Birgit Wagner, Professorin für klinische Psychologie, die über anhaltende Trauerstörungen spricht. Sie diskutieren die neurobiologischen Prozesse beim Trauern, die Notwendigkeit, den Tod wieder in die Gesellschaft zu integrieren und die Auswirkungen der Digitalisierung auf Trauerkultur. Praktiken für gesunde Trauerverarbeitung stehen ebenfalls im Fokus.
01:10:59
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Bestatterin Schafft Offenen Trauerraum
Bestatterin Joja Königsmark eröffnete ein offenes Bestattungsinstitut, weil Gesetze Trauer oft einschränken.
Ihr Beruf entstand aus dem Wunsch, Trauernden Raum zu geben und legale Hürden zu umgehen.
insights INSIGHT
Trauer Als Körperliche Stressreaktion
Trauer ist eine biologische Stressreaktion, die Kapazitäten im Körper umverteilt und Konzentration verschlechtert.
Psychoonkologin Marei Korzerke erklärt, dass Trauer oft mit Schock und später innerer Unruhe einhergeht.
insights INSIGHT
Trauer Aktiviert Das Belohnungszentrum
Bei anhaltender Trauer aktiviert Erinnern das Belohnungssystem ähnlich wie bei Sucht und erschwert die Anpassung an den Verlust.
Mary Frances O'Connor fand belohnungsbezogene Hirnaktivität bei Menschen mit anhaltender Trauerstörung.
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Eine Trauerstörung ist ein anerkanntes Krankheitsbild. Was passiert beim Trauern im Gehirn und wie verändert sich Trauerkultur?
Die WHO hat die "Anhaltende Trauerstörung" als offizielles Krankheitsbild klassifiziert. Welche Forschungserkenntnisse gibt es dazu? Lena Bodewein hat als Korrespondentin Trauerrituale in anderen Teilen der Welt gesehen. Aus wissenschaftsjournalistischer Sicht geht sie der Frage nach, was beim Trauern im Gehirn passiert und wie Psychoonkologinnen, Kulturhistoriker und Bestatterinnen Trauerphasen einschätzen.
Im Gespräch mit Host Korinna Hennig plädiert Lena dafür, den Tod zurück in die Mitte der Gesellschaft zu holen. Sie erklärt, warum die Toraja in Indonesien ihre Toten Jahre später wieder aus der Erde holen und was Kinderspielplätze auf Friedhöfen bewirken können. Und sie wirft einen Blick in die Trauerkultur der Zukunft mit Avataren und Digitalfriedhöfen.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN:
Wie Trauer in Zukunft aussehen kann – Auswirkungen des Digitalen: Meitzler M, Heesen J, Hennig M, Quinn RA. Digital Afterlife and the Future of Collective Memory. Memory Studies Review, 2024, 1(2), 274-291. https://doi.org/10.1163/29498902-202400013
Wie Trauer im öffentlichen Raum gestaltet wird – public mourning und andere Äußerungen: Fischer N. Landschaft und Totengedenken. In: Kühne, O., Weber, F., Berr, K., Jenal, C. (eds) Handbuch Landschaft. RaumFragen: Stadt – Region – Landschaft. Springer VS, Wiesbaden, 2024. https://doi.org/10.1007/978-3-658-42136-6_38
Warum manche Menschen eine anhaltende Trauerstörung entwickeln können: O'Connor MF, Wellisch DK, Stanton AL, Eisenberger NI, Irwin MR, Lieberman MD. Craving love? Enduring grief activates brain's reward center. Neuroimage, 2008, 42. Jg., Nr. 2, S. 969-972.
Symptome und Forschung zur anhaltenden Trauerstörung und zu komplizierter Trauer: O’Connor, MF. Grief: A brief history of research on how body, mind, and brain adapt. Biopsychosocial Science and Medicine, 81(8), 2019, 731-738.
Wie Angehörige auf Suizid reagieren – verschiedene Krankheitsbilder: Wagner B, Hofmann L, Grafiadeli R. The relationship between guilt, depression, prolonged grief, and posttraumatic stress symptoms after suicide bereavement. J Clin Psychol, 2021, 77, 2545–2558. https://doi.org/10.1002/jclp.23192
Mögliche körperliche und geistige Reaktionen auf Verlust: Strobe M, Schut H, Stroebe W. Health outcomes of bereavement. Lancet 2007; 370: 1960-1973
Der Weg zur Anerkennung als Krankheit – über anhaltende Trauerstörung: Wagner B. Wann ist Trauer eine psychische Erkrankung? Trauer als diagnostisches Kriterium in der ICD-11 und im DSM-5. In: Psychotherapeutenjournal , 3/2016, S.250-255.
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