Ex-Facebook-Investor Roger McNamee im Gespräch – #241
Oct 11, 2019
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Roger McNamee, ehemaliger Berater von Mark Zuckerberg und Kritiker von Facebook, warnt vor den Gefahren der Algorithmen und des Überwachungskapitalismus. Er reflektiert über die Manipulation von Wahlen und die Rolle sozialen Medien in der Demokratie. McNamee spricht über seinen Wandel vom Technikoptimisten zum Aktivisten und beleuchtet die ethischen Herausforderungen im Silicon Valley. Besonders poignante sind seine Ansichten zum Cambridge Analytica-Skandal und der Verantwortung, die Internetplattformen in der heutigen Gesellschaft tragen.
Roger McNamee warnt, dass mikro-targeted Werbung in der Politik Wähler in Filterblasen einsperrt und den demokratischen Diskurs gefährdet.
Die Transformation der Silicon-Valley-Kultur von Idealismus zu einer aggressiven Wachstumsmentalität führt zur Vernachlässigung der gesellschaftlichen Verantwortung der Unternehmen.
Deep dives
Die Gefahren der Mikro-Targetierung
Mikro-targeted Werbung in der Politik wird als besorgniserregend erachtet, da sie es Kampagnen ermöglicht, unterschiedliche Ansprache für jeden Wähler zu entwickeln. Diese individuelle Ansprache kann dazu führen, dass die Wähler in Filterblasen eingeschlossen werden, in denen sie nur mit Informationen konfrontiert werden, die ihre vorgefassten Meinungen bestätigen. Dies begünstigt die Verbreitung von Verschwörungstheorien und gefährdet den demokratischen Diskurs. Die Verantwortung der Internetplattformen für den Schutz der Demokratie muss betont werden, da sie wiederholt gescheitert sind, ein ausgewogenes politisches Umfeld zu fördern, was sich weltweit, nicht nur in Österreich, negativ auswirkt.
Änderungen in der Silicon Valley Kultur
Die Kultur im Silicon Valley hat sich von einem idealistischen Ansatz, der technologische Innovationen zur Verbesserung der Gesellschaft förderte, in eine Wachstumsmentalität gewandelt. Diese Veränderung wurde durch den Einfluss von investoren getragen, die eine aggressive Wachstumsstrategie und Disruption als Hauptziele propagierten. Diese neuen Werte führten dazu, dass die Verantwortung für die gesellschaftlichen Auswirkungen von Technologien vernachlässigt wurde, was möglicherweise katastrophale Konsequenzen hat. Darüber hinaus werden Verantwortlichkeiten von Plattformen wie Facebook nicht ausreichend erkannt, was zu einem Mangel an Rechenschaftspflicht und negativen sozialen Effekten führt.
Der Wandel von Technologieoptimismus zu Aktivismus
Der Wandel von Roger McNamee von einem Technologieoptimisten zu einem Aktivisten wurde durch persönliche Erfahrungen und Beobachtungen verschärft. Besonders besorgniserregend war für ihn die Beeinflussung der US-Wahlen 2016 durch ausländische Akteure über soziale Medien, die er als Tiefpunkt betrachtete. Diese Erfahrungen führten zu der Erkenntnis, dass es seine Verantwortung war, die Öffentlichkeit über die Gefahren und Missstände aufzuklären, die sich durch die Anwendung der Algorithmen und Geschäftsmodelle sozialer Netzwerke ergeben. McNamee hat erkannt, dass die Verquickung von Technologie und Demokratie dringendes Handeln erfordert.
Die Verantwortung von Unternehmen für gesellschaftliche Auswirkungen
Die Diskussion über die Verantwortung von Unternehmen erstreckt sich auf die wachsende Besorgnis über den Einfluss von sozialen Medien auf die Gesellschaft. Insbesondere Plattformen wie Facebook stehen in der Kritik, weil sie nicht transparent mit den Daten der Nutzer umgehen und deren Privatsphäre ignorieren. Das Fehlen einer aktiven und öffentlichen Verantwortung durch Mitarbeiter ist ebenso besorgniserregend, insbesondere wenn negative gesellschaftliche Auswirkungen auftreten. Viele der nachfolgenden Probleme stellen daher nicht nur eine Herausforderung für Nutzer dar, sondern erfordern auch, dass Unternehmen ihre ethischen Verpflichtungen über Gewinnmaximierung hinaus wahrnehmen.
Der US-Amerikaner und Tech-Investor Roger McNamee war einer der frühen Berater von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. 2016 wandte er sich gegen ihn. Die Propaganda, die den US-Wahlkampf auf dem sozialen Netzwerk beeinflusste, hatte ihn misstrauisch gemacht. Seitdem ist McNamee Aktivist und warnt vor der Macht Facebooks.
Im Gespräch mit FALTER-Autorin Anna Goldenberg erklärt er (in englischer Sprache), warum er Facebooks Algorithmen für gefährlich hält und was er dem "Überwachungskapitalismus" entgegensetzen will. McNamee kam Ende September, knapp vor den österreichischen Nationalratswahlen, auf Einladung des Vienna Humanities Festival sowie der Medientage nach Wien.