Die US-Historikerin Mary Elise Sarotte, Expertin für die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen, beleuchtet in ihrem Gespräch mit Ivan Vejvoda die Mythen der NATO-Osterweiterung. Sie diskutiert, wie die westliche Aggressivität von Russland interpretiert wird und welche Versprechen aus der Wendezeit es tatsächlich gab. Sarotte analysiert gescheiterte Integrationsversuche Russlands in die NATO sowie die Folgen der ukrainischen Abrüstung. Die geopolitischen Spannungen und die moralischen Implikationen des Ukraine-Kriegs werden ebenfalls thematisiert.
Der Podcast beleuchtet, dass die NATO-Osterweiterung nach dem Kalten Krieg von Missverständnissen und unterschiedlichen Erwartungen zwischen Russland und dem Westen geprägt war.
Mary Elise Sarotte erklärt, dass die nukleare Abrüstung der Ukraine 1994 unter wirtschaftlichem Druck als kriegsentscheidend angesehen wurde, was zu einer verletzlichen Position führte.
Deep dives
Die NATO-Osterweiterung und ihre Folgen
Die NATO-Osterweiterung nach dem Kalten Krieg wird untersucht, insbesondere im Kontext der Behauptungen von Wladimir Putin, dass diese als westliche Aggression angesehen wird. Historikerin Mary Alice Sarotti beleuchtet dabei die Verhandlungen zwischen Moskau, Washington und Berlin, die eine zentrale Rolle in dieser Entwicklung spielten. In ihrem Buch 'Nicht einen Schritt weiter nach Osten' wird klargestellt, dass zwar ein Versprechen zur Nicht-Erweiterung der NATO während der Gespräche zur deutschen Wiedervereinigung diskutiert wurde, aber niemals tatsächlich gegeben wurde. Diese Erkenntnisse legen nahe, dass die seitdem verschlechterten Beziehungen zwischen Russland und dem Westen historisch verwurzelt sind und auf Missverständnissen und unterschiedlichen Erwartungen beruhen.
Die geopolitische Position der Ukraine
Die Ukraine, die nach dem Kollaps der Sowjetunion unabhängig wurde, hatte zum Zeitpunkt ihrer Unabhängigkeit 1991 das drittgrößte Atomwaffenarsenal der Welt. Diese nukleare Bereitschaft führte zu einer sofortigen Besorgnis in den USA, da die Kontrolle über diese Waffen unsicher war. Die schließlich 1994 unterzeichnete Budapest-Deklaration gewährte der Ukraine sicherheitspolitische Zusicherungen, wenn sie ihr Atomwaffenarsenal aufgab. Diese Entscheidung, die aus erheblichem wirtschaftlichen Druck resultierte, wurde von vielen als kriegsentscheidend angesehen, da sie die Ukraine in eine verletzliche Position brachte.
Der Einfluss von Yeltsin und Putin
Die Entscheidungen der russischen Führung unter Boris Yeltsin und später unter Wladimir Putin haben entscheidend zur Verschlechterung der Beziehungen zu den westlichen Nationen beigetragen. Yeltsins Anordnungen, gegen das eigene Parlament vorzugehen, sowie der brutale Krieg in Tschetschenien, haben die Bereitschaft des Westens zur Zusammenarbeit mit Russland stark beeinträchtigt. Putins Aufstieg zur Macht war danach von aggressiveren außenpolitischen Maßnahmen geprägt, die das Vertrauensverhältnis zu westlichen Ländern weiter beschädigten. Diese Entscheidungen haben letztlich einen endgültigen Bruch der friedlichen Kooperationsversuche zwischen den USA und Russland herbeigeführt.
Diskussion über die NATO-Erweiterung
Die Erörterung der NATO-Erweiterung zeigt die unterschiedlichen Perspektiven der betroffenen Länder und der westlichen Führung auf. Während einige osteuropäische Staaten darum kämpften, Mitglied in der NATO zu werden, sah Präsident Clinton ursprünglich die Gefahren einer neuen Trennungslinie in Europa, die die Ukraine ungesichert lassen würde. Doch letztlich überließ der Druck aus Mittel- und Osteuropa, gepaart mit den ansteigenden gewaltsamen Unruhen in Russland, den USA keine Wahl. Diese Prioritäten führten zu einer suboptimalen Lösung, die sowohl die Ukraine als auch die Beziehungen mit Russland dauerhaft belasteten.
US-Historikerin Mary Elise Sarotte zerpflückt die Mythen um das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen nach dem Ende des Kalten Krieges. Ein Gespräch mit Ivan Vejvoda am Humanities Festival.
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