Waffenruhe im Schwarzen Meer: Nur Putin profitiert
Mar 26, 2025
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Sebastian Gierke, Experte für die Ukraine bei der Süddeutschen Zeitung, diskutiert die vage Einigung über eine 30-tägige Waffenruhe im Schwarzen Meer. Er sieht die Vereinbarung als Vorteil für Putin, während die Ukraine kaum etwas gewinnt. Gierke erläutert, wie Russland durch Verzögerungstaktiken seine Position stärkt und welche Herausforderungen auf die Ukraine zukommen. Zudem beleuchtet er die militärische Lage und die Auswirkungen der Drohneneinsätze der Ukraine gegen die russische Flotte.
Die vage Waffenruhe im Schwarzen Meer könnte Russland strategisch zugutekommen, da sie nicht alle militärischen Bedrohungen berücksichtigt.
Putins Forderungen zur Aufhebung von Sanktionen unterstreichen seine Taktik der Zeitverschleppung, wodurch weitere Verhandlungen erschwert werden könnten.
Deep dives
Waffenruhe und ihre Zwiespältigkeit
Russland und die Ukraine haben eine einmonatige Waffenruhe im Schwarzen Meer beschlossen, um Angriffe auf die Energieinfrastruktur einzustellen. Diese Einigung könnte jedoch vor allem Russland zugutekommen, da viele Bedenken hinsichtlich der Umsetzung bestehen. Der ukrainische Präsident Zelensky äußert Misstrauen gegenüber Russland und fordert handfeste Zugeständnisse, um sicherzustellen, dass das Land die Vereinbarung einhält. Die Ukraine befürchtet, dass Russland die Waffenruhe ausnutzen könnte, um sich neu zu formieren und Angriffe zu intensifizieren.
Einschränkungen der Vereinbarung
Die Vereinbarung zur Waffenruhe berücksichtigt nicht kritische militärische Aspekte, wie die Bedrohung durch russische Marschflugkörper und Drohnen, die von der Schwarzmeerflotte ausgehen. Diese Punkte führen dazu, dass die Ukraine trotz der Vereinbarung keine klare strategische Verbesserung sieht. Herr Gierke erklärt, dass die Ukraine in der Vergangenheit dank kreativer militärischer Taktiken, wie dem Einsatz von Seedrohnen, Erfolge im Schwarzen Meer erzielt hat. Dennoch bleibt die Frage offen, ob die Waffenruhe auch zu einer nachhaltigen Entspannung der Situation führen kann.
Putins Verhandlungstaktik
Putins Forderungen nach weiteren Zugeständnissen im Austausch für die Waffenruhe spiegeln seine Verhandlungstaktik wider, die auf Zeitverschleppung abzielt. Der Kreml verlangt die Aufhebung von Sanktionen gegen russische Banken und Landwirtschaftsgüter, was jedoch unrealistisch erscheint. Trotz der Mangel an konkreten Ergebnissen besteht immer noch die Möglichkeit, dass Putins Taktik ihm hilft, mehr aus den Verhandlungen herauszuholen. Diese Strategie der Verzögerung könnte zu weiteren Schwierigkeiten in zukünftigen Verhandlungen führen, wenn auch die Ukraine kaum eigene Forderungen äußert.
Im saudi-arabischen Riad verhandeln die Delegationen von USA und Russland stundenlang. Am Ende steht eine Vereinbarung: Angriffe auf die Energieinfrastruktur sollen für 30 Tage ausgesetzt werden. Und im Schwarzen Meer soll in diesem Zeitraum eine Waffenruhe gelten.
Doch die Einigung ist sehr vage: Es ist unklar, wer sie kontrolliert, was bei Verstößen passieren soll – und auch, ob sie überhaupt schon gilt. Denn Russland stellt weitere Forderungen: Vor der Waffenruhe sollen Sanktionen aufgehoben werden, gegen russische Banken, Landwirtschaftsgüter und Schiffe.
Sebastian Gierke aus dem SZ-Politikressort sieht in der Einigung vor allem einen Sieg für Putin. Denn für die Ukraine enthält sie quasi nichts, während Russland weitere Zugeständnisse erhält.
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Moderation, Redaktion: Leopold Zaak
Redaktion: Ann-Marlen Hoolt
Produktion: Imanuel Pedersen
Zitiertes und zusätzliches Audiomaterial über X-Account von Wolodimir Selenskij.
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