In dieser Diskussion treten Hubert Winkels, ein erfahrener Literaturredakteur, Beate Tröger, bekannt für ihre prägnante Stilkritik, und Daniela Strigl, eine Literaturwissenschaftlerin mit tiefen Analysen, auf. Sie beleuchten die Kontroversen um Ebrahimis Roman "Und Federn überall" und diskutieren die Themen von Massentierhaltung und Migration. Der Gedichtband "Portolan" wird für seine metaphorische Bildsprache gewürdigt, während Eva Schmidts "Neben Fremden" mit seiner sprachlichen Präzision begeistert. Abschließend analysieren sie Krasznahorkais satirischen Ansatz und politische Parodien.
01:14:56
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Humor trifft harte Themen
Nava Ebrahimis Roman verbindet Humor mit harten Themen wie Massentierhaltung und Erinnerungskultur.
Die Figuren verfehlen sich ständig und bilden so ein ironisches Gesellschaftsporträt.
volunteer_activism ADVICE
Lektorat Als Pflicht, Nicht Luxus
Vermeide ungeprüfte Stilblüten, sie schwächen die Glaubwürdigkeit eines Textes stark.
Lektorat prüfen oder einbauen, wenn Satzbilder und Metaphern uneinheitlich oder klischeehaft wirken.
insights INSIGHT
Portolan Als Metapher Für Verbindungen
Daniela Danz' Band »Portolan« nutzt historische Seewege als metaphorisches Ordnungsprinzip.
Das Meer wird als Raum für globale Verflechtungen, Kontemplation und Zeitlichkeit gelesen.
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Auf dem Programm standen Nava Ebrahimis Roman „Und Federn überall“ (Luchterhand Literaturverlag), der Gedichtband „Portolan“ von Daniela Danz (Wallstein Verlag), Eva Schmidts Roman „Neben Fremden“ (Jung & Jung Verlag) und László Krasznahorkais Roman „Zsömle ist weg“ in der deutschen Fassung von Heike Flemming (S. Fischer Verlage).
Die Jurydiskussion beginnt mit einer Kontroverse: Während Hubert Winkels die Konstruktion des Romans „Und Federn überall“ (Platz 4) lobte, war Beate Tröger über die Fülle der Stilblüten im Text verärgert. Daniela Strigl lobte zwar manche Figurenentwicklung und die Dialoge, sprach aber auch von einer inhaltlichen Überfrachtung in Ebrahimis Buch, das von Massentierhaltung, stupiden Arbeitsabläufen, prekären Lohnverhältnissen, zerbrochenen Familien, deutsch-polnischer Vergangenheit, gegenwärtiger Migration und der Erinnerungskultur handelt.
Die Jury begab sich mit dem Gedichtband „Portolan“ auf vergangene und neue Seewege (Platz 3). Die anspielungsreiche Lyrik von Daniela Danz beschäftigt sich der globalisierten Frachtschifffahrt genauso wie mit den Möglichkeiten der Zerstreuung und Kontemplation, die das Meer und ihr sprachlicher Echoraum bietet.
Auch „Neben Fremden“,der neue Roman von Eva Schmidt überzeugte das Podium. Die Geschichte der ehemaligen und inzwischen sehr einsamen Krankpflegerin wird einhellig gelobt – wegen der sprachlichen Präzision und der überraschenden Wendungen, die einen Ausweg aus der geschilderten Trostlosigkeit bieten (Platz 2).
Den Spitzenplatz der SWR Bestenliste im Januar nimmt der neue Roman des frisch gekürten Literaturnobelpreisträgers ein. In László Krasznahorkais Roman „Zsömle ist weg“ möchte eine Truppe skurriler Monarchisten einen alten Mann, offenbar der Spross einer jahrhundertealten Adelslinie, zum König von Ungarn ausrufen.
Die Jury ist von der sprachmächtigen Parodie auf gegenwärtigen (nicht nur ungarischen) Politpopulismus begeistert. Mit Zsömle ist nicht nur eine Semmel gemeint, sondern auch eine Reihe von dahinsiechenden Hunden. So unterhaltsam und komisch sei Krasznahorkai bislang noch nie gewesen, sagte Daniela Strigl, die ein wenig mit der Übersetzung hadert, weil sie an manchen Stellen etwas „bundesdeutsch“ klinge. Beate Tröger lobt hingegen die einfallsreiche und genaue Übertragung aus dem Ungarischen, für die Heike Flemming verantwortlich ist.
Aus den vier Büchern lasen Isabelle Demey und Sebastian Mirow. Durch den Abend führte Carsten Otte.