Traumaexpertin Verena König - Wie kann ein unentdecktes Trauma unsere Beziehungen beeinflussen?
Apr 2, 2025
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Verena König ist Traumatherapeutin und Autorin, die sich umfassend mit den Auswirkungen von Trauma auf Beziehungen auseinandersetzt. Sie diskutiert, wie unentdeckte Traumata unsere Wahrnehmung und Emotionen beeinflussen sowie die Dynamiken in Partnerschaften prägen können. Außerdem beleuchtet sie die Rolle von Authentizität und die Kraft von Ritualen in Beziehungen. Verena erklärt, wie Bindungstypen unsere Interaktionen formen und bietet hilfreiche Ansätze zur Heilung und Integration traumatischer Erfahrungen.
Traumatherapie hilft, unentdeckte Verletzungen zu erkennen, die sich negativ auf Beziehungen auswirken können.
Ein Bewusstsein für die eigene Verletzlichkeit unterstützt den Heilungsprozess und verbessert das Verständnis eigener Bedürfnisse.
Die Fragmentierung traumatischer Erinnerungen kann Flashbacks auslösen und erfordert die Integration dieser Erlebnisse in die persönliche Biografie.
Die Suche nach Sicherheit ist entscheidend für die persönliche Entwicklung und das Verständnis unbewusster Beziehungsmuster.
Therapeuten spielen eine essentielle Rolle als Bindungspersonen, die Sicherheit und Unterstützung im Heilungsprozess bieten.
Deep dives
Trauma und wahre Natur
Das Öffnen der Tür zum Trauma ermöglicht den Zugang zu einem Raum, in dem die wahre Natur eines Menschen verborgen ist. In diesem Raum liegen sowohl unentfaltete Potenziale als auch unverarbeiteter Schmerz und Leid, die oft lange ignoriert wurden. Der Prozess, sich mit diesen tief versteckten Aspekten auseinanderzusetzen, kann transformativ wirken und führt zu positiven Veränderungen im Leben. Letztlich ist dieser Weg eine Reise zu sich selbst, die viel Engagement und Mut erfordert.
Wichtigkeit von Beziehungen
Beziehungen spielen eine zentrale Rolle im Umgang mit Trauma, da viele Menschen in ihrem Leben wiederkehrende Muster erleben, die aus unbewussten Verletzungen hervorgehen. Wenn sich bestimmte dynamische Muster immer wiederholen, besonders in Beziehungen, kann dies auf ungelöste Traumata hindeuten. Die Verarbeitung von Schmerz und Verletzungen erfolgt oft erst durch die Interaktion mit anderen, da Menschen in Beziehung zu anderen ihre Bedürfnisse und Empfindungen besser verstehen und ausdrücken können. Diese sozialen Verbindungen sind besonders wichtig, wenn man in kritischen Phasen der Kindheit nicht die nötige Unterstützung erhalten hat.
Definition von Trauma
Trauma wird häufig als eine Erfahrung definiert, die die Möglichkeiten eines Menschen zur Bewältigung übersteigt, sodass sich Gefühle der Ohnmacht und Hilflosigkeit entwickeln. In der Traumatherapie ist es entscheidend zu verstehen, dass Trauma nicht gleichbedeutend mit einer traumatischen Erfahrung ist, sondern erst dann entsteht, wenn diese Erfahrungen nicht verarbeitet werden können. Die Symptome einer traumatischen Belastungsstörung treten auf, wenn die Verarbeitung der Erlebnisse scheitert. Ein Bewusstsein über die eigene Verletzlichkeit und die individuellen Bewältigungsmechanismen kann den Heilungsprozess unterstützen.
Die Rolle der Fragmentierung
Wenn eine traumatische Erfahrung gemacht wird, kann sie zu einer Fragmentierung der Erinnerung führen, was bedeutet, dass die Erlebnisse nicht als zusammenhängende Geschichten abgespeichert werden. Diese Fragmentierung führt dazu, dass die betroffene Person bei Kontakt mit bestimmten Auslösern in stressige Zustände zurückfallen kann, ohne dass sie bewusst versteht, warum. Anhand des Beispiels eines Autounfalls wird beschrieben, wie sensorische Eindrücke während eines traumatischen Ereignisses isoliert gespeichert werden und zu Flashbacks oder verstärkten Emotionen im Hier und Jetzt führen können. Um diese Erfahrungen zu integrieren, müssen die Fragmente der Erlebnisse wieder zusammengefügt werden.
Die Suche nach Sicherheit
Ein zentraler Aspekt im Umgang mit Trauma ist die Suche nach Sicherheit, die sich in verschiedenen Lebensbereichen manifestieren kann. Menschen, die negative Erfahrungen gemacht haben, entwickeln oft adaptive Verhaltensmuster, um sich vor potenziellen Bedrohungen zu schützen, was manchmal zu unbewussten und wiederkehrenden Beziehungsmustern führt. Es ist wichtig, diese Mechanismen zu erkennen und zu verstehen, wie sie das gegenwärtige Leben beeinflussen. Die Suche nach einem sicheren Raum, in dem man sich entfalten kann, ist entscheidend für die persönliche Entwicklung und die Erneuerung von Bindungen.
Integration vs. Heilung
Integration wird als ein fundamentaler Bestandteil des Heilungsprozesses beschrieben, da es darum geht, unverarbeitete Erfahrungen in das eigene Bewusstsein und die persönliche Biografie einzufügen. Anstatt traumatische Erinnerungen einfach zu verdrängen, wird gefordert, diese Erlebnisse anzunehmen und ihren Platz im persönlichen Puzzlespiel des Lebens zu finden. Der Prozess der Integration ermöglicht es, mit den schmerzhaften Erinnerungen umzugehen, ohne von ihnen überwältigt zu werden. Dadurch finden die betroffenen Personen zu einem gesunden Umgang mit ihren Gefühlen und ihren Lebenserfahrungen.
Die Rolle des Therapeuten
Therapeuten fungieren als sichere Bindungspersonen, die den Klienten durch den Heilungsprozess begleiten und unterstützen. Die bedingungslose Wohlwollen-Haltung des Therapeuten ist essenziell, um ein Gefühl von Sicherheit zu schaffen, was besonders für Menschen mit Bindungstraumata wichtig ist. Therapeuten sollten auch die Rolle von Validierern einnehmen, indem sie den Klienten helfen, ihre Erfahrungen zu verarbeiten und zu verstehen, dass diese sowohl schmerzhaft als auch bedeutend sind. In der Therapie wird die Verantwortung für das eigene Wohlbefinden nicht den Klienten, sondern dem Therapeuten überlassen.
Bedürfnis nach Verbindung
Der Mensch ist von Natur aus ein soziales Wesen, das Verbindungen zu anderen braucht, um seine Erfahrungen und Emotionen zu verarbeiten. Verletzungen, die in der Kindheit erlitten wurden, können dazu führen, dass eine Person in ihren Beziehungen Schwierigkeiten hat, Nähe und Vertrauen zuzulassen. Oft wird die Angst, verlassen zu werden, potenziell als Bedrohung wahrgenommen, was zu einem Rückzug oder zu ungesunden Beziehungsmustern führen kann. Der Prozess der Selbstheilung erfordert daher auch, die Bedeutung von sozialen Bindungen zu erkennen und zu schätzen.
Wachstum durch Erfahrung
Das Erleben von neuen, positiven Erfahrungen ist entscheidend für die persönliche Entwicklung und das emotionale Wachstum. Menschen müssen die Möglichkeit haben, sich in einem sicheren Umfeld auszudrücken, um negative Erfahrungen hinter sich zu lassen und Vertrauen zu gewinnen. Wiederholte positive Erlebnisse helfen, alte Muster zu durchbrechen und ein Gefühl von Sicherheit und Verbundenheit zu entwickeln. Neugier auf das Leben und der Wunsch, sich selbst zu entdecken, sind treibende Kräfte für den Prozess, um sich aus negativen Mustern zu befreien und das eigene Potenzial zu entfalten.
Verena ist Traumatherapeutin, Autorin und Podcasterin.
Ihr Buch “Trauma und Beziehungen” gehört zu den Büchern, in denen ich beim Lesen sehr viele Stellen markiert habe, deshalb habe ich mich sehr gefreut, nun mit ihr darüber zu sprechen.
Ich wollte von ihr wissen, wieso sie sich ausgerechnet auf Trauma spezialisiert hat, was es mit Bindungstraumata genau auf sich hat und wie wir potenzielle Traumatisierungen erkennen. Wir sprechen über falsche und richtige Annahmen zum Thema Trauma, es geht um Bindungstypen und Beziehungsmuster, wir sprechen über Authentizität, Bestätigung und das Verzeihen.