Das Phänomen der AfD-Zustimmung unter jungen Wählern in Sachsen und Thüringen wird ausführlich analysiert. Es wird untersucht, welche sozialen und emotionalen Faktoren zu dieser Wahlentscheidung führen. Besonders spannend ist der Einfluss von sozialen Medien wie TikTok, die gezielt junge Menschen ansprechen. Die Rolle von Ängsten und Krisen, wie Inflation und gesellschaftlichen Spannungen, wird ebenfalls beleuchtet. Außerdem wird diskutiert, welche Auswirkungen die Unterstützung für die AfD auf das persönliche Wohlbefinden der Wähler hat.
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Quick takeaways
Junge Wähler fühlen sich durch Unsicherheiten und Ängste in ihrem Leben zu den einfachen Lösungen der AfD hingezogen.
Die Wahl der AfD wird oft als Protest gegen die etablierten Parteien gesehen, was die Komplexität der Wählermotivation unterstreicht.
Deep dives
Wahlverhalten junger Wähler
Junge Menschen, insbesondere im Alter von 18 bis 24 Jahren, zeigen ein unerwartet hohes Interesse an der AfD, was bei den jüngsten Wahlen in Sachsen und Thüringen deutlich wurde. In Sachsen wählten 30% der Wähler in dieser Altersgruppe die AfD, während es in Thüringen sogar 37% waren. Diese Zahlen sind schockierend, da sie zeigen, dass die AfD bei jungen Wählern die stärkste Unterstützung hat, was vorher als nicht so ausgeprägt geglaubt wurde. Die Gründe für diese Wahlpräferenzen sind komplex und müssen analysiert werden, um ein besseres Verständnis für die politischen Entscheidungen der Jugendlichen zu gewinnen.
Einfluss von Identität und Umfeld
Die Entscheidung, eine bestimmte Partei zu wählen, wird stark durch das soziale Umfeld und die Identität geprägt. Laut dem Politikwissenschaftler Christopher Prinz sind Faktoren wie das Elternhaus, der Freundeskreis und die Schulbildung entscheidend für die Entwicklung einer Partei-Identifikation. Diese Identifikation kann dazu führen, dass Menschen die Aussagen ihrer bevorzugten Partei positiver bewerten und sich weniger mit den Inhalten anderer Parteien auseinandersetzen. Dies zeigt sich auch bei den AfD-Wählern, die häufig die Wahlprogramme anderer Parteien ignorieren und sich ganz auf die Themen der AfD konzentrieren.
Emotionen und Krisen
Die AfD spricht viele junge Wähler an, die sich in einer Lebenssituation mit vielen Unsicherheiten und Ängsten wiederfinden. Krisen wie der Ukraine-Konflikt, die COVID-19-Pandemie und die Klimakrise schüren Ängste und das Gefühl, dass die Zukunft ungewiss ist. Diese Emotionalität wird von der AfD in ihrem Wahlkampf gezielt genutzt, um einfache Lösungen für komplexe Probleme zu propagieren, was bei jungen Wählern auf fruchtbaren Boden fällt. Besonders die Sorgen um finanzielle Sicherheit und Altersvorsorge sind Themen, die von der AfD angesprochen werden, jedoch oft nur unzureichend oder unrealistisch behandelt werden.
Protestwahl und gesellschaftliche Wahrnehmung
Für viele junge Leute ist die Wahl der AfD auch ein Akt des Protests gegen die etablierten Parteien, die sie als unzureichend empfinden. Der Politikwissenschaftler Christopher Prinz beschreibt die AfD als 'absolute Fuck-You' Partei, deren Wahlergebnisse oft als direkte Antwort auf Frustration und Unzufriedenheit betrachtet werden. Dieses Bedürfnis, den etablierten Parteien eine Lektion zu erteilen und deren Aufmerksamkeit auf wichtige Themen zu lenken, motiviert viele, auch zugunsten der AfD zu wählen, obwohl sie mit bestimmten extremen Aspekten der Partei nicht einverstanden sind. Die mentale Distanzierung von den negativen Auswirkungen ihrer Wahl zeigt, wie komplex die Motivation hinter dem Wählen der AfD ist.
Bei den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen hat die AfD viele Stimmen bekommen - auch von jungen Leuten. Dabei ist die AfD unter anderem in genau diesen beiden Bundesländern von den Landesverfassungsämtern als rechtsextreme Partei eingestuft worden. In dieser Folge fragt Lisa-Sophie sich: Wie kann man trotzdem die AfD wählen? Welche Gründe bewegen junge Menschen dazu, ihre Stimme einer in Teilen rechtsextremen Partei zu geben?
Als Ergänzung zu diesem Podcast hört gern unsere Wissen Weekly-Folge “Streit: Was, wenn Papa rechts wählt?”. Außerdem empfehlen wir diese Studie von Ansgar Hudde, um zu verstehen, inwiefern sich das Wahlverhalten von Frauen und Männern in den vergangenen Jahren verändert hat. Ihr wollt nachlesen, wie Forschende darauf kommen, dass es unglücklich macht, die AfD zu wählen? Dann hier entlang. Eine detaillierte Erklärung des AfD-Paradox findet ihr hier.
Warum die AfD im Osten so stark ist, erklärt zum Beispiel diese Studie von Manès Weisskircher (TU Dresden). Lest außerdem dieses Buchkapitel, um das Argument der Statusangst besser nachvollziehen zu können.
(00:00 - 03:38) Intro
(02:57 - 06:00) Teil 1: Wer sind überhaupt diese jungen AfD-Wähler:innen?
(06:00 - 10:04) Teil 2: Was beeinflusst Wahlentscheidungen?