Anabel Schunke, freie Journalistin und Kolumnistin, analysiert zehn Jahre nach den Übergriffen auf der Kölner Domplatte die unzureichende strafrechtliche Aufarbeitung und die beschwichtigende Haltung der Medien und Polizei. Sie kritisiert die milden Strafen für häufige Täter, die das Vertrauen in den Rechtsstaat gefährden. Zudem beleuchtet sie die Gefahren an Silvester und die gesellschaftlichen Auswirkungen auf das Sicherheitsgefühl von Frauen. Schunke fordert eine konsequentere Migrationspolitik und mehr Durchgreifen des Staates.
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Wie Die Erste Meldung Entstand
Anabel Schunke erfuhr zuerst von den Übergriffen über eine Facebook-Gruppe und Augenzeugenberichte.
Große Medien und Polizei berichteten zunächst nicht oder verharmlosten die Vorfälle, bis das Ausmaß offensichtlich wurde.
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Beschwichtigung Verzögert Wahrnehmung
Schunke sieht bewusste Beschwichtigung durch Medien und Behörden als Ursache für verzögerte Berichterstattung.
Diese Salami-Taktik lasse unbequeme Wahrheiten lange unerkannt bleiben.
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Geringe Strafverfolgung Und Ihr Preis
Von 354 ermittelten Tätern führten nur 39 Verurteilungen zu meist milden Strafen.
Dieses Missverhältnis zerstöre Vertrauen in Rechtsstaat und Justiz nachhaltig.
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Zehn Jahre nach den massenhaften sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht 2015/16 auf der Kölner Domplatte zieht die Journalistin Anabel Schunke im Gespräch mit Maximilian Tichy eine ernüchternde Bilanz. Sie schildert, wie sie damals als Erstes über Hinweise aus der Bevölkerung von den Ereignissen erfuhr, während Polizei und große Medien die Vorfälle zunächst verharmlosten oder verschwiegen. Erst als das Ausmaß nicht mehr zu leugnen war, setzte eine zögerliche Berichterstattung ein, die aus ihrer Sicht bis heute sinnbildlich für den Umgang mit unbequemen Wahrheiten steht.
Schunke kritisiert besonders die geringe strafrechtliche Aufarbeitung der Taten. Trotz hunderter ermittelter Tatverdächtiger und weit über tausend Geschädigter kam es nur zu wenigen Verurteilungen, meist mit milden Strafen ohne nachhaltige Konsequenzen. Nur eine Handvoll Haftstrafen wurden verhängt. Dieses Missverhältnis zerstört das Vertrauen in Rechtsstaat und Justiz nachhaltig und sendet ein Signal der Hilflosigkeit, auch an andere potenzielle Verbrecher.
Auch in diesem Jahr war die Silvesternacht in deutschen Großstädten gefährlich. Gewalt gegen Polizei, Rettungskräfte und Passanten wurde als „weitgehend friedlich“ dargestellt, obwohl die Realität eine andere ist. Schunke sieht darin eine Fortsetzung der Beschwichtigungspolitik und einen klaren Zusammenhang mit migrationspolitischen Fehlentscheidungen sowie fehlender staatlicher Durchsetzungskraft. Städte unterschieden sich ihrer Ansicht nach vor allem darin, wie konsequent Politik, Polizei und Justiz auftreten.
Besonders deutlich sind die gesellschaftlichen Folgen für Frauen. Schunke beschreibt, wie die Ereignisse von Köln eine Zäsur markierten und das Sicherheitsgefühl vieler Frauen nachhaltig veränderten. Große Menschenansammlungen, insbesondere an Silvester, werden nun bewusst gemieden, Frauen sind aus dem öffentlichen Raum, nicht nur an Silvester, weitgehend verschwunden; ohne dass dies eine breite politische oder gesellschaftliche Debatte auslöst.