Er nimmt Drogen, rast betrunken auf seiner BMW durch die Wüste. Als Oliver Sacks am 30.8.2015 stirbt, ist er der wichtigste Neurologe des 20. Jahrhunderts.
In diesem Zeitzeichen erzählt Ulrich Biermann:
- warum Oliver Sacks' Mutter zu ihm sagt: "Ich wünschte, Du wärest nie geboren worden."
- wie der Neurologe zu dem Spitznamen "Dr. Kniebeuge" kommt,
- warum sich Sacks mit Drogen und Schlafmitteln betäubt,
- dass Oliver Sacks den Stoff für den oscarnominierten Film "Zeit des Erwachens" liefert.
Oliver Sacks' Eltern sind Neurologen, und er tritt in deren Fußstapfen. Aus der Enge des britisch-jüdischen Oberschichts-Elternhauses flüchtet er in die USA. Er genießt die Freiheiten der aufkommenden Hippie-Bewegung, vor allem als homosexueller Mann. Nächtelang rast er auf dem Motorrad durch Kalifornien – nicht immer nüchtern.
1966 nimmt Oliver Sacks eine Stelle in einer Klinik für unheilbar Kranke in New York an. Dort trifft er auf Überlebende der Europäischen Schlafkrankheit, die alle nahezu leblos vor sich hinvegetieren. Es gelingt ihm, sie mit dem neuen Medikament L-Dopa zeitweise aus der Starre zu holen.
Das Buch darüber, "Awakenings – Zeit des Erwachens", wird erst als Theaterstück aufgeführt, dann mit Robin Williams und Robert De Niro verfilmt. Oliver Sacks wird fortan zur Stimme der psychisch Kranken und trägt mit seinen Geschichten zur Entstigmatisierung neurologischer Erkankungen bei. Er stirbt am 30. August 2015 mit 82 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.
Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:- Prof. Cornelius Borck, Medizinhistoriker
- Oliver Sacks: Briefe. Hamburg 2025
- Oliver Sacks: Stumme Stimmen. Hamburg 1990
- Oliver Sacks: Awakenings – Zeit des Erwachens. Hamburg 2008
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Redaktion: Frank Zirpins