8min chapter

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Konfrontation (Folge 6, Putins Krieg im Netz)

Firewall: Jedes System hat eine Schwachstelle

CHAPTER

Die Vulkan-Ermittlungen

In diesem Kapitel wird die intensive journalistische Recherche über die Firma Vulkan und ihre Verbindungen zu Moskaus Cyberplänen thematisiert. Journalisten versuchen, mit ehemaligen Mitarbeitern in Kontakt zu treten, um tiefere Einblicke in die Unternehmenskultur zu gewinnen, während sie die ethischen Grenzen ihrer Ermittlungen ergründen. Die Episode beleuchtet nicht nur die Komplexität der Recherche, sondern auch die internationale Zusammenarbeit von Medien zur Aufdeckung dieser gefährlichen Netzwerke.

00:00
Speaker 1
Und
Speaker 2
da hat er uns die Tür vor der Nase zugeschlecht. Das
Speaker 1
war sehr eindeutig, als er das gehört hat, dass er dann schnell die Tür zumachen wollte.
Speaker 2
Er hat sich richtig erschrocken.
Speaker 1
Ja. Aber wir haben ihn gefunden. Das ist schon mal nicht nix. Die
Speaker 2
Frage ist, was macht er jetzt? Nachdem er weiß, dass wir ihn gefunden haben.
Speaker 1
Ja. Wahrscheinlich mit seinen Freunden in Moskau telefonieren. Aber
Speaker 2
was auch immer jetzt passiert, liegt nicht mehr in unserer Hand. Aber
Speaker 1
wir hinterlassen ihm jetzt eine Nachricht. Also am Anfang war er freundlich, muss man sagen. Er
Speaker 2
war auch jetzt freundlich. Also er war ja nicht aggressiv oder irgendwie. Aber er hat halt Angst bekommen. Ja.
Speaker 1
Wir
Speaker 2
gehen zurück ins Hotel. Wir wollen die Hoffnung noch nicht ganz aufgeben. Vielleicht war die Situation an der Tür zu überraschend. Vielleicht überlegt er sich noch anders und möchte sich doch noch mit uns treffen. Wir
Speaker 1
schreiben ihm eine E-Mail und eine Nachricht über Telegram.
Speaker 2
This is our email address. This
Speaker 1
is our email
Speaker 2
address. You can also reach us at... Aber wir klingeln ja nicht nur bei Sergei. Elf Medien weltweit sind an der Recherche beteiligt. Und unser Team ist parallel an einigen Haustüren von Menschen, die ebenfalls vor Vulkan gearbeitet haben. Sie sitzen heute in München, in Dublin und anderswo in Europa. Bei Unternehmen wie Siemens und Amazon. Die haben den kürzesten Anfahrweg von allen, weil sie nur in München bleiben müssen und sind als letztes vor der Wohnung. Noch weiß niemand, dass wir seit Monaten zu dieser Firma recherchieren. Das ist ein Vorteil. Wir werden bald auch in Russland anrufen, bei der Firma selbst. Aber es ist besser, vorher zu versuchen, mit Ex-MitarbeiterInnen zu reden. Also planen wir, sie in ein paar Tagen zu Hause zu besuchen. Überall, wo wir sie finden, vor allem im Westen. Da fliegen oder fahren wir hin. Klopfen und klingeln an Türen. Wir bitten, unsere Kollegen aufzunehmen, was sie erleben. Wir wollen jetzt gleich eine Frau treffen oder bei ihr klingeln, die bei Vulkan gearbeitet hat. Das brennt sehr, sehr viel Licht. Mal schauen, ob sie da ist.
Speaker 1
Wir klingeln einfach gleich bei ihm jetzt.
Speaker 2
Manchmal
Speaker 1
haben wir Pech und niemand ist da. Ah,
Speaker 2
wie bitter. Wenn wir letzte Woche hier, kriegst du vorletzte Nein.
Speaker 1
Briefkasten. Aber die ein oder andere Tür wird uns geöffnet. Und Sergej meldet sich tatsächlich auch zurück. Nur zehn Minuten nach unserer Mail haben wir eine Antwort. Sehr geehrter Herr Munzinger, schreibt er. Meine Adresse war nicht öffentlich, ebenso wenig wie die Adressen anderer Personen, die ihre Kollegen besucht haben. Sergej
Speaker 2
weiß also schon, dass wir auch andere, ehemalige Kollegen von ihm besucht haben. Sie haben offenbar noch Kontakt untereinander. Und offenbar so eng, dass sie innerhalb von wenigen Minuten Bescheid wissen. Segei schreibt weiter. Wir Ja.
Speaker 1
verstehen das. Auch für uns ist es unangenehm, bei fremden Menschen vor der Tür zu stehen und einfach so in ihr Leben zu platzen. Aber Sergej hat gefährliche Systeme programmiert für sehr gefährliche Geheimdienste. Wir müssen ihm diese Fragen stellen. Journalisten
Speaker 2
sprechen von der sogenannten Sorgfaltspflicht. Das ist nur fair. Sergej muss die Chance haben, uns seine Sicht der Dinge zu erklären. Vielleicht sagt er uns Sachen, an die wir nicht gedacht haben. Wir
Speaker 1
gehen mittlerweile davon aus, dass auch die Firma Bescheid weiß. Dass sie gehört hat, dass sich da ein paar Journalisten umhören. Also entscheiden wir uns, ganz offiziell auf die Firma zuzugehen. Und auf die MitarbeiterInnen, die in Moskau oder in Russland leben. Ein
Speaker 2
paar Leute sprechen doch mit uns. Einer von ihnen ist übrigens Evgeny, dessen Geschichte ihr aus Folge 5 kennt. Wir haben aber auch so inzwischen eine Menge Informationen gesammelt. Also
Speaker 1
schicken wir Vulkan alle Fragen, die wir haben. Bevor wir die Firma ins Rampenlicht zehren, wollen wir natürlich wissen, was sie zu sagen haben. Kann ja sein, dass es für manches eine ganz harmlose Erklärung gibt. Das ist zwar sehr unwahrscheinlich, aber wer weiß. Wir
Speaker 2
rufen bei Vulkan auch an, ein paar Tage später. Es meldet sich eine Sekretärin, die sagt, ja, die Mail sei angekommen. Und die Firmengründer würden antworten, wenn es, Zitat, interessant genug sei. Wir
Speaker 1
hören nichts von der Firma. Auch den Kreml fragen wir an. Wieder keine Antwort. Also schreiben wir unsere Ergebnisse zusammen, koordinieren das weltweit mit unseren Partnern. Auch die Washington Post, The Guardian und Le Monde werden zeitgleich mit uns veröffentlichen. Wir checken letzte Details. Um 17 Uhr drücken wir den Knopf. Wir sind live. Dank eines Whistleblowers konnten westliche Medien, darunter die ZDF-Redaktion Frontal, tiefe Einblicke in Moskau's Cyberpläne gewinnen. Ulrich Stoll und Christian Rode über die enthüllungen der sogenannten Vulkan-Files. Das ist according to thousands of leaked documents.
Speaker 2
Das ist eine Geschichte, die DR kann aufzulösen mit 50 Journalisten aus 11 Medien in 8 Ländern, unter Washington Post, The Guardian und Le Monde. In den USA, in Großbritannien, Frankreich, Dänemark, in Deutschland und in anderen Ländern erscheint die Story. Auf Titelseiten in Zeitungen eine Dokum-ZDF und natürlich die erste Folge dieses Podcasts. Millionen von Menschen hören plötzlich zum ersten Mal von einer Firma mit dem Namen Vulkan. Knapp
Speaker 1
ein Jahr haben wir uns jetzt mit den Dokumenten auseinandergesetzt. Wir haben sehr viel gelernt darüber, wie Russland sich für den digitalen Krieg im Netz rüstet. Aber wir haben immer das Gefühl gehabt, dass wir nur einen kleinen Teil zu sehen bekommen. Puzzlestücke. So
Speaker 2
geht es uns auch nach einem Gespräch mit Google. Dort arbeiten nicht nur Leute daran, dass die Suchmaschine gute Ergebnisse liefert, sondern die haben ganze Abteilungen für IT-Sicherheit. Die gucken schon seit Jahren, ob jemand Google verwendet, um zum Beispiel Spare-Mails zu verschicken. Das wollen sie dann verhindern.
Speaker 1
Oder aber Spionagesoftware, die staatliche Hacker verschicken. Und Google sagt, ja, die Firma Vulkan, die kennen wir. Sie sind uns 2012 aufgefallen. Ein Vulkan-Mitarbeiter hatte damals eine Google-Mail angemeldet und von dort aus eine E-Mail an Vulkan geschickt.

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