
Ja, wir lesen Theorie
Schweigen ist Zustimmung!
Intro
In diesem Kapitel stellen die Teilnehmer drei bedeutende Bücher vor, die sowohl unterhaltsam sind als auch politische Themen ansprechen. Ziel ist es, den Zuhörern empfehlenswerte Lektüren zu bieten, die neue Perspektiven auf politische Philosophie und gesellschaftliche Entwürfe eröffnen.
64 Prozent der Verschleppten überlebten die Überfahrt nicht: Iris Dermanns „Undienlichkeit“ zeigt, wie systematische Gewalt durch europäische Philosophie legitimiert wurde. Von Hobbes bis Marx – Denker, die wir als Grundpfeiler westlicher Zivilisation verehren, schufen die akademische Rechtfertigung für Sklaverei und Kolonialismus. Während die Mächtigen über „zivilisatorischen Fortschritt“ philosophierten, profitierten sie persönlich vom Sklavenhandel.
Aber es geht nicht nur um historische Aufarbeitung. Thomas Pikettys ökonomische Analyse beweist: Wenn Kapitalrendite dauerhaft größer ist als Wirtschaftswachstum, entstehen Oligarchien. Genau das erleben wir heute. David Graeber und David Wengrow zerstören den Mythos linearen Fortschritts – prähistorische Gesellschaften experimentierten bereits mit Demokratie und saisonalen Machtstrukturen. Der Club of Rome liefert mit „Earth for All“ konkrete Lösungsansätze für Klimakrise und soziale Ungleichheit. Doch diese Alternativen werden systematisch verschwiegen.
Patrick und Jens präsentieren fünf Bücher, die unser Verständnis von Geschichte, Gesellschaft und Zukunft radikal herausfordern. Von Omri Böhms „Radikalem Universalismus“ bis zu den verschütteten Widerstandsformen versklavter Menschen – hier geht es um die Wurzeln unseres Denkens und warum wir sie hinterfragen müssen.
Themen
- Buchempfehlungen zu politischer Philosophie und Gesellschaftstheorie
- Iris Dermanns „Undienlichkeit“ – Widerstand gegen systematische Gewalt
- Thomas Pikettys „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ – Ökonomie der Ungleichheit
- Graeber/Wengrows „Anfänge“ – Alternative Menschheitsgeschichte
- Club of Rome „Earth for All“ – Lösungen für Klima- und Sozialkrise
- Omri Böhms „Radikaler Universalismus“ – Kritik am modernen Liberalismus
- Legitimation von Gewalt durch europäische Philosophie
- Prähistorische Gesellschaftsexperimente und Demokratieformen
- Klimawandel und soziale Gerechtigkeit als Einheit
- Universalismus vs. Identitätspolitik
Erwähnte Personen & Organisationen
- Iris Dermann: Deutsche Autorin und Aktivistin, schrieb „Undienlichkeit“
- Thomas Piketty: Französischer Ökonom, spezialisiert auf Ungleichheitsforschung
- David Graeber: Anthropologe und Mitbegründer von Occupy Wall Street (†2020)
- David Wengrow: Professor für vergleichende Archäologie in London
- Club of Rome: Globaler Think Tank, bekannt für „Die Grenzen des Wachstums“
- Omri Böhm: Israelisch-deutscher Philosoph, lehrt in New York
- Malcolm X: US-amerikanischer Bürgerrechtler und Aktivist
- John Brown: Weißer Anführer des abolitionistischen Aufstands von 1859
- Thomas Hobbes: Englischer Philosoph, „Leviathan“-Autor
- John Locke: Englischer Philosoph der Aufklärung
- Immanuel Kant: Deutscher Philosoph der Aufklärung
- Hannah Arendt: Deutsch-amerikanische politische Theoretikerin
Begriffe
- Undienlichkeit: Sammelbegriff für Widerstandsformen jenseits offener Rebellion, wie passive Resistenz, Sabotage oder Selbstermächtigung
- Radikaler Universalismus: Kompromisslose Haltung zu universellen Menschenrechten, die absolute moralische Wahrheiten verteidigt
- Saisonale Gesellschaften: Prähistorische Gruppen, die regelmäßig zwischen verschiedenen Gesellschaftsformen wechselten
- Spielkönige: Temporäre Herrscher in prähistorischen Gesellschaften, die schnell wieder abgesetzt werden konnten
- Giant Leap: Zukunftsszenario mit umfassenden Systemreformen in fünf Schlüsselbereichen
- Little too late: Zukunftsszenario mit ökologischen Kipppunkten und sozialen Unruhen
- Meritokratie: Leistungsgesellschaft, die soziale Ungleichheit durch individuelle Verdienste rechtfertigt
- Abolitionismus: Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei im 19. Jahrhundert
Weiterführende Quellen
- Podcast 2045 – Episode 3/2022 zu „Earth for All“
- Club of Rome – Offizielle Website
- The New School for Social Research
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