

NDR Kultur - Das Gespräch
NDR Kultur
Bei "Das Gespräch" kommen Menschen zu Wort, die Stellung beziehen und Positionen vertreten: kulturell oder gesellschaftlich, kenntnisreich, vielfältig und nicht selten provokant. Mal sind sie prominent und in aller Munde, mal ausgewiesene Experten auf ihrem Gebiet. Gemein ist ihnen allen, dass sie Inspirierendes zu sagen haben zu den Themen unserer Zeit - und oft auch sehr Persönliches. Wir stellen drängende Fragen und rollen nicht einfach den roten Teppich aus.
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Feb 1, 2026 • 26min
Julia Voss: "Die Frage, was natürlich ist, wurde zur Waffe"
Wer definiert, was als Natur gilt? Biologen, Theologen, Ideologen? Wer legt fest, was Natürlichkeit ist? Pädagogen, Psychologen, Demagogen? Woher kommt die typisch deutsche Natur-Romantik, jene Verklärung und Vereinnahmung der Natur? Und wie wurde gerade der Naturbegriff immer wieder politisch instrumentalisiert – bis hin zu den Rassegesetzen des NS-Staats? Das Deutsche Historische Museum beschäftigt sich in seiner aktuellen Ausstellung mit 800 Jahren „Natur und deutsche Geschichte: Glaube, Biologie, Macht“. Julia Voss, frühere Kunstkritikerin der FAZ und heutige Professorin an der Leuphana in Lüneburg, hat die Schau im Deutschen Historischen Museum in Berlin (noch bis zum 07.06.2026) kuratiert. Im Gespräch mit Dietrich Brants zeichnet sie nach, wie wechselvoll und ambivalent unser Verhältnis über die Jahrhunderte zur Natur war und immer noch ist.

Jan 25, 2026 • 26min
Susanne Siegert: Wie sich unser Erinnern an den Holocaust verändern muss
Die alljährlichen Gedenkfeiern am 27. Januar bezeichnet die junge TikTokerin Susanne Siegert als "Gedenktheater".

Jan 18, 2026 • 26min
Jörn Marcussen-Wulff - der "Bigband-Nerd" von der Küste
Jörn Marcussen-Wulff gehört zu den umtriebigsten Akteuren der Hannoverschen Jazzszene. Eine Szene, die in den letzten 15 Jahren stark gewachsen und erfrischend lebendig geworden ist. Der Posaunist ist Mitbegründer und Leiter der Bigband „Fette Hupe“ und war viele Jahre aktives Mitglied der Jazz Musiker:innen Initiative Hannover.1981 im Schleswig-Holsteinischen Laboe geboren und auf einem Bauernhof aufgewachsen, ist Jörn Marcussen-Wulff allerdings ein Kind der Küste geblieben. „Ich liebe das da oben“, schwärmt er.Aktuell lehrt Jörn Marcussen-Wulff als Dozent für Komposition, Arrangement, Jazz-Theorie und Bigband an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. Außerdem ist er künstlerischer Leiter des Landesjugendjazzorchesters Hamburg. Seit diesem Jahr leitet er zudem das Bujazzo, das Bundesjazzorchester, als Doppelspitze mit Theresia Philipp.Im Gespräch mit Andrea Schwyzer spricht Jörn Marcussen-Wulff über seine neue Aufgabe, die damit verbundenen Visionen und seine Leidenschaft für Jazz und Bigband-Musik.

Jan 11, 2026 • 26min
"Nahaufnahmen einer Frau" - Gespräch mit Bodo Kirchhoff
Er wäre nie auf die Idee gekommen, sagt Bodo Kirchhoff, als Ich-Erzähler von einer Frau zu schreiben. „Niemals! Sondern es ist immer natürlich ein Mann, der erzählt, wie er sich das denkt und vorstellt.“ Dafür greift Bodo Kirchhoff zu einem erzählerischen Kniff. Er lässt ihren Mann Vigo die Geschichte seiner Frau Tess erzählen, die sich nach langjähriger Ehe von ihm trennt. So entstehen die „Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt“. Aus Tess‘ Sicht, sehr weiblich und äußerst intim, wird so erzählt, wie die 68-jährige Psychotherapeutin aus Frankfurt ihrem etwas älteren Mann Vigo, früher Leiter der „Denkfabrik für gesellschaftliche Wege zur Abrüstung und Ächtung von Gewalt“, heimlich nach Indien folgt. Angeblich recherchiert er dort für ein Buchprojekt, für sie aber ist er „desertiert aus dem gemeinsamen Leben“. In Mumbai reflektiert sie ihr bisheriges Leben, sowohl ihre ewigen Verstrickungen ins Denken, als auch ihre jahrelange, heimliche Beziehung mit ihrem Mentor, einem Linguistik-Professor. Und sie beginnt eine Affäre. Aber was ist überhaupt eine Affäre? Wo beginnt die Liebe? Und wie endet sie? In typischer Kirchhoff-Brillanz schreibt der mittlerweile 77-Jährige über Liebe und Sexualität – als Mann über eine Frau. Im Gespräch mit NDR Kultur fragt Jürgen Deppe, ob „Nahaufnahmen“ deshalb ein Männerbuch sei und ob er Kritik von Frauen an seinem Buch fürchte. Kirchhoff wehrt ab: „Das ist ein von einem Mann geschriebenes Buch, von dem ich mir zwar wünschen würde, dass es Männer lesen, von dem ich aber glaube, dass weit mehr Frauen es verstehen.“

Jan 4, 2026 • 26min
Wofür es sich zu denken lohnt - Gespräch mit Ina Schmidt
Wir leben in krisenhaften Zeiten. Das vergangene Jahr hat es einmal mehr gezeigt. Das angebrochene verspricht kaum weniger schwierig zu werden. Sich im Dickicht der Krisen zurecht zu finden, ist gar nicht so einfach. Sicher Geglaubtes zerbröselt, einfache Lösungen werden als Auswege präsentiert. Das verunsichert und verängstigt. Vor 20 Jahren hat die Philosophin Ina Schmidt, die 1973 in Flensburg geboren wurde und an der Leuphana in Lüneburg studiert hat, in Hamburg die „denkräume“ gegründet, eine Initiative für philosophische Praxis. Bei Rowohlt ist vor einigen Monaten ihr Buch „Warum denken wirklich hilft“ erschienen. Verena Gonsch hat mit ihr über ihren Appell zum konstruktiven Denken gesprochen.

Dec 28, 2025 • 26min
Maren Amini: „Die immaterielle Kultur Afghanistans lebt“
Die Idee zu ihrem Tochter-Vater-Projekt hatte Maren Amini schon während ihres Studiums zur Illustratorin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Doch bis zum ersten Zeichenstrich für „Ahmadjan und der Wiedehopf“ vergingen Jahre. Mittlerweile wurde die Künstlerin für ihr Comic-Debüt mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2025 in der Kategorie „Neue Talente - Illustration“ ausgezeichnet. Amini erzählt darin die bewegende Geschichte ihres Vaters, der 1953 in Afghanistan geboren wurde, sich von den Hippies in Kabul hat inspirieren lassen und bis nach Hamburg reiste. Er war u.a. Hafenarbeiter, Seemann, Fremdenführer, Maler für einen afghanischen Militärmann, hat Hippie-Busse bemalt, sich mit afghanischen Widerstandskämpfern getroffen und verstand sich immer auch als Künstler.Mit dem Comic wollten Maren Amini und ihr Vater nach der erneuten Machtübernahme der Taliban 2021 einen Kontrapunkt setzen – sich positiv mit Afghanistan auseinandersetzen. Zudem war es für die Illustratorin auch persönlich wichtig, sich endlich mit ihren Wurzeln zu beschäftigen, sagt sie im Gespräch auf NDR Kultur. Als Jugendliche und junge Erwachsene wollte sie von Afghanistan nämlich nichts wissen. In ihrer Wahrnehmung war das ein Land, in dem einfach nur Krieg herrschte und alles immer traurig war.

Dec 21, 2025 • 26min
Metin Tolans Berechnungen zur tödlichen Tour des Weihnachtsmanns
„Die Naturgesetze in der Physik sind erbarmungslos,“ stellt der aus Oldenburg/Holstein stammende Physikprofessor mit hörbarem Grinsen fest: „Wenn der Weihnachtsmann sich so fortbewegen würde, dann wäre er tot.“ Was für eine Bescherung!Mit Humor und viel Spaß an seinem Fach rechnet Tolan in seinem neuen Buch „Stille Nacht, eilige Nacht“ vor: Wollte der Weihnachtsmann an Heiligabend allen artigen Kindern ein Geschenk bringen, müsste er mit 711 Kilometern pro Sekunde unterwegs sein, der Schlitten würde 257.400 Tonnen wiegen und müsste von 117.000 Rentieren gezogen werden. Unmöglich! Unmöglich? Nein, sagt Metin Tolan im Gespräch mit Jürgen Deppe, „denn immer wenn in der Physik irgendein kompliziertes Phänomen ansteht, muss man die Quantentheorie nutzen.“ So rettet „Deutschlands womöglich coolster Physikprofessor“ (DER SPIEGEL) am Ende doch noch die Bescherung. Weihnachten steht auch in diesem Jahr nichts im Weg!

Dec 14, 2025 • 26min
Armin Mueller-Stahl: "Ich wäre gerne Dirigent und Komponist geworden"
Armin Mueller-Stahl erzählt anlässlich seines 95. Geburtstags aus seinem Leben als Schauspieler, Maler und Musiker.

Dec 7, 2025 • 26min
Gegen die Kriegstüchtigkeit - Ole Nymoen im Gespräch
Der Bundestag hat das „Wehrdienst-Modernisierungsgesetz“ beschlossen. Alle 18-jährigen Männer und Frauen erhalten ab Anfang 2026 einen Fragebogen, mit dem ihre Motivation und Eignung für den Dienst bei der Bundeswehr ermittelt werden soll. Für alle Männer, die nach dem 1. Januar 2008 geboren wurden, ist die Beantwortung des Fragebogens und eine Musterung verpflichtend, für Frauen freiwillig. Sollte die Zahl derjenigen, die sich freiwillig zum Wehrdienst melden, den Bedarf der Bundeswehr allerdings nicht decken, kann der Bundestag eine sogenannte „Bedarfswehrpflicht“ ausschließlich für Männer beschließen. Die, die es nicht persönlich betrifft, stimmen dem neuen Gesetz überwiegend zu. Die, die es betreffen könnte, diskutieren seit Monaten heftig. Bereits im Frühjahr hat der 27-jährige Podcaster, Journalist und Autor Ole Nymoen mit seinem Buch „Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde“ ein streitbares Plädoyer „Gegen die Kriegstüchtigkeit“ (Untertitel) veröffentlicht. Doris Maull hat Ole Nymoen kürzlich zum Gespräch getroffen.

Nov 30, 2025 • 26min
Shoko Kuroe: Starke Stimme gegen Machtmissbrauch
"Das war ein sexueller Übergriff, was man in der Alltagssprache wahrscheinlich Vergewaltigung nennen würde“, sagt die Pianistin Shoko Kuroe im Gespräch mit NDR Kultur. Und der Verantwortliche war ein Professor von Shoko Kuroe, er hat während der 90er Jahre an der Hamburger Musikhochschule unterrichtet. Die junge Frau, damals Mitte zwanzig, konnte zunächst nicht über das Verbrechen sprechen. „Ich hatte das komplett verdrängt, damit ich die seelische Stabilität behalten konnte.“, bekennt Kuroe – die in den vergangenen Jahren zu einer der wichtigsten Stimmen im Kampf gegen Machtmissbrauch geworden ist. Nachdem ihr Anliegen lange Zeit kaum Gehör gefunden hat, hat sich der öffentliche Umgang mit dem Thema mittlerweile stark verändert. Im Gespräch mit Marcus Stäbler betont Shoko Kuroe jedoch, dass es trotz der vielen Initiativen, der Beratungsangebote und der Sensibilität gegenüber Machtmissbrauch noch immer blinde Flecken gebe. Auch bei einer aktuellen Studie zum Thema, die jetzt an den deutschen Hochschulen durchgeführt werden soll. Das Problem sei, dass dort nur die derzeit Angehörigen der Hochschulen gehört werden. „Die Menschen, die dort irgendwas erfahren haben und dann aufgrund dessen von der Hochschule weggegangen sind oder gar keine Musik mehr machen oder die Hochschule gewechselt haben - die kommen nicht zur Sprache.“


