Lesezeichen

DER STANDARD
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Sep 24, 2021 • 21min

"Das Ereignis": Im Sex von der Herkunft eingeholt

Die französische Ausnahmeautorin Annie Ernaux erinnert sich an die frühen 1960er und ihre verzweifelte Suche nach einer Abtreibungsmöglichkeit, die sie überleben kann Die inzwischen 80-jährige Autorin Annie Ernaux schrieb mit 60 Jahren ihre Erinnerungen an eine bedrückende Zeit nieder. Es waren die 1960er-Jahre, die steckte mitten in ihrem Philosophiestudium, das ihr die Möglichkeit des sozialen Aufstiegs bot. Das alles stand für die damals 23-jährige Annie auf der Kippe. Sie wurde schwanger. "Im Sex hatte mich meine Herkunft eingeholt, und was da in mir heranwuchs, war gewissermaßen das Scheitern meines sozialen Aufstiegs", schreibt Ernaux. Von Beginn an war ihr klar, was sie tun wollte: die Schwangerschaft abbrechen. Ihrem klaren Entschluss stand allerdings die gesetzliche Lage entgegen, die Abtreibungen kriminalisierte. So begann ihre einsame Suche nach Möglichkeiten, das vorsichtige Herantasten an mögliche Verbündete und die große Gefahr eines illegal durchgeführten Schwangerschaftsabbruchs. Die Kolumnistin und Autorin Elfriede Hammerl hat mit uns das Buch gelesen und erzählt von ihren Eindrücken von Annie Ernauxs Erzählung "Das Ereignis", die vor kurzem erstmals auf Deutsch erschienen ist.
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Sep 10, 2021 • 22min

"Dunkelblum" von Eva Menasse: Dunkle Dorfgeschichte aus Österreich

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Aug 20, 2021 • 23min

"Kim Jiyoung, geboren 1982": Wer im Patriarchat nicht durchdreht, spinnt

Die Politikwissenschafterin Natascha Strobl über den Bestseller, der in Südkorea eine feministische Bewegung auslöste Kim Jiyoung lernt, studiert, arbeitet, heiratet, wird Mutter. Es ist das Leben von Abermillionen anderen Südkoreanerinnen, das Kim anstrebt und später auch lebt. Sie tut all das, von man ihr sagt, dass es ihr ein gutes Leben bringen wird – und bekommt dafür Sexismus, Ausbeutung und Herabwürdigung. "Kim Jiyoung, geboren 1982" ist zu einem zentralen Text für Südkoreas feministische Bewegung geworden. Das Buch mobilisierte 2018 zehntausende Frauen zu Protesten auf den Straßen von Seoul. Heuer wurde der Bestseller auf Deutsch übersetzt, der auch zeigt, wie prototypisch die Geschichte von Kim Jiyoung für viele andere Frauenleben weltweit ist.
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Aug 6, 2021 • 19min

"Always happy hour": Vom Fatalismus amerikanischer Frauenleben

Wir besprechen den neuen Bestseller der amerikanischen Autorin Mary Miller mit der Wiener Schriftstellerin Sophie Reyer Von einer "Wirklichkeitswucht" sprach die Literaturkritik schon bei Mary Millers Roman "Süßer König Jesus" und das gilt auch wieder für elf neue, auf Deutsch erschienene Kurzgeschichten mit dem sommerlichen Titel "Always Happy Hour". Millers Frauenfiguren hängen in einem mitunter deprimierenden, postmodernen Lifestyle, haben zwar Sehnsucht nach Liebe, aber ohne sie zulassen zu können. In einer geradlinigen Sprache erzählt Miller über elf unterschiedliche Frauen, die zwar ohne Namen, Alter oder Verortung bleiben, aber einen Fatalismus gegenüber ihrem eigenen Leben und komische Männer an ihrer Seite haben. "Für meine Exfreunde", lautete dementsprechend die Widmung von Miller, in den Danksagungen führt sie das aus: "Ihr habt mir Stoff für Jahre im Voraus geliefert."
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Jul 23, 2021 • 22min

"Die Nachricht": Blanker Hass in ländlicher Idylle

Hassnachrichten von anonymen Accounts krachen in das Leben von Ruth. Anwältin Maria Windhager verrät, was sie anders als Doris Knechts neueste Romanheldin gemacht hätte Erst nimmt sie es cool. Anonyme Hassbotschaften sind der Drehbuchautorin Ruth nicht gänzlich fremd. Doch nach und nach dringen die immer wieder kommenden Nachrichten tief in ihr Leben, das sie trotz eines tragischen Unfalltodes ihres Mannes vor vier Jahren ganz gut im Griff hat. Das Verhältnis zu ihren Kindern ist gut, ihre Freundschaften stabil und ihr Leben auf dem Land insgesamt schön. Wer hat es auf Ruth abgesehen? Warum will sie jemand auch bei ihrer Familie und ihren Freund*innen diffamieren? Wie soll Ruth damit umgehen? Maria Windhager kennt Fälle wie diesen aus ihrer Berufspraxis und hat für "Lesezeichen" den neuen Roman von Doris Knecht, "Die Nachricht", gelesen – und ist begeistert. Warum, schildert sie in der neuesten Ausgabe unsers Buchklubs.
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Jul 9, 2021 • 23min

"Riot, don't diet!": Dick, haarig und völlig wurscht

Warum ist es so schwer, den eigenen Körper zu mögen? Gespräch mit Podcasterin Beatrice Frasl über Lookismus, Dickenhass und mögliche Auswege Dass mit den gängigen Schönheitsnormen Milliarden verdient werden, das ist längst bekannt. Ebenso, dass genau deshalb immer wieder neue Schönheitsideale erfunden werden. Trotzdem ist es für sehr viele, wenn nicht für die meisten, enorm schwer, ihrem oder seinem Aussehen halbwegs gelassen zu begegnen. Elisabeth Lechner seziert in ihrem Buch "Riot, don't diet!" den kapitalistischen und politischen Hintergrund, vor dem Menschen aufgrund ihres Körpers bewertet, normiert und diskriminiert werden. Die Podcasterin und Genderexpertin Beatrice Frasl spricht in dieser Ausgabe von "Lesezeichen" über die Funktionen von im Buch thematisierten Affekten wie Scham und Eckel und dass es schlicht nicht die Aufgabe unserer Körper ist, für andere schön auszusehen.
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Jun 25, 2021 • 21min

Harte Frauenschicksale: "Dein Schatten tanzt in der Küche"

Schriftstellerin und Gartenbücher-Ikone Barbara Frischmuth über ihr neuestes Werk, in dem sie fünf unterschiedliche Frauenschicksale beschreibt In "Dein Schatten tanzt in der Küche" (Aufbau Verlag) packt die österreichische Schriftstellerin Barbara Frischmuth, die schon seit der Veröffentlichung ihres ersten Romans "Die Klosterschule" im Jahr 1968 zur fixen Bewohnerin der österreichischen Literaturlandschaft zählt, die ganz großen Themen in die kleine Form der Erzählung. Für Darya, Agnes, Amelie, Paula und Doris geht es in unterschiedlichen Ausprägungen um weibliche Selbstbestimmung, das Hinnehmen und Umgehen mit harten Verlusten, Schuld und Scheitern an bestimmten Lebensumständen. Kunstvoll und tatsächlich sehr unsentimental erzählt die Autorin, die Anfang Juli ihren 80. Geburtstag feiert, diese fünf Frauenschicksale, in denen mehrfach auch das Thema Altern und vor allem Alterspräkariat ein Thema werden. "Dein Schatten tanzt in der Küche" ist aber nicht das einzige Buch, das Barbara Frischmuth anlässlich ihres Geburtstags ihrer Leserschaft vorlegt. Wenn es um die Altausseer Autorin geht, dann darf ein Pflanzenbuch nicht fehlen: "Natur und die Versuche, ihr mit Sprache beizukommen" (Residenz Verlag) heißt es und versammelt zwei Vorlesungen der großen Garten-Autorin. Was sie darin alles verpackt hat, auch darüber erzählt uns die Journalistin, Literaturkritikerin und Garten-Expertin Julia Kospach, die schon viele Begegnungen mit Frischmuth hinten sich hat. Zum 80er binden wir der Schriftstellerin auch einen digitalen Blumenstrauß-Gruß. Kurze Stichworte: Madonnenlilien und Eselspenisse. Wir wünsche der Autorin alles Gute!
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Jun 11, 2021 • 21min

"Im Land der Anderen": Frausein im Marokko der Fünfzigerjahre

Wir sprechen über den neuen Roman der französisch-marokkanischen Schriftstellerin Leila Slimani, in dem sie die Geschichte ihrer Großmutter zum großen Romanstoff gemacht hat "Das Land der Anderen" ist die Geschichte der jungen, abenteuerlustigen Elsässerin Mathilde, die sich am Ende des Zweiten Weltkriegs in Amine, einen marokkanischen Offizier der französischen Armee verliebt, ihn heiratet und mit ihm von Frankreich nach Marokko geht und dort mit ihm auf einem abgelegenen Hof bei Meknès ihre beiden Kinder großzieht. Leila Slimani nimmt uns mit in die Biografie ihrer Großmutter, erzählt über den Kolonialismus in Marokko und über die Zerrissenheit eines Landes auf dem Weg zur Unabhängigkeit, einer Familie und einer Frau zwischen Tradition und Moderne, zwischen Umbruch und Aufbruch. Mit der österreichischen Schriftstellerin Tanja Paar, die lange für den STANDARD als Reiseredakteurin tätig war, sprechen wir über diesen spannenden historischen Stoff, Slimanis ersten Teil einer Roman-Trilogie.
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May 28, 2021 • 20min

"Auf dem Sonnenstrahl": Zukunft ohne Männer

In Tillie Waldens neuem Comic "Auf einem Sonnenstrahl" geht es ab in die ferne Zukunft, in der es ziemlich queer wird Die Geschichte von Mia spielt in der fernen Zukunft. Heterosexualität als der Standard schlechthin ist passé, die klassische Kernfamilie gibt es nur mehr im hintersten Winkel des Weltalls, die Erde ist längst nicht mehr bewohnbar. Die erst 25-jährige Comic-Künstlerin Tillie Walden legte mit ihrer ursprünglich als Webcomic angelegten Geschichte eine Space-Opera vor, in der es ums Erwachsenwerden und die erste Liebe Grace geht. Und in Mias Fall ist es offenbar auch die ganz große Liebe: Sie kann sie nicht vergessen und macht sich mit ihrer Wahlfamilie auf die Suche nach Grace. Die US-Amerikanerin Tillie Walden nimmt die Leser*innen mit in eine atmosphärische Science-Fiction-Geschichte, über die wir in "Lesezeichen" mit Karin Krichmayr, Wissenschaftsjournalistin beim STANDARD und Comicexpertin, sprechen. Welche Rolle spielt Geschlecht in Waldens Entwurf einer fernen Zukunft, und wie lässt sich Waldens verwendete Jugendsprache auf Deutsch übersetzen?
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May 14, 2021 • 21min

"Daheim": "Fräuleinwunder" mit 50 gut zuhause angekommen

Wir besprechen das neue Buch der bekannten deutschen Schriftstellerin Judith Hermann, die mit ihrem zweiten Roman Lesende und Kritik einhellig begeistert Als Judith Hermann mit ihrem Kurzgeschichtenband "Sommerhaus, später" 1998 schlagartig berühmt wurde, war sich das deutschsprachige Feuilleton einig, dass sie damit den Sound einer ganzen Generation getroffen hat und hat Hermann zum "Fräuleinwunder" der deutschen Literatur gestempelt. Jetzt ist mit "Daheim" der erst zweite Roman der mittlerweile 50-jährigen Berlinerin erschienen, der von der Literaturkritik und auch hier im Standard-Buchklub durchaus positiv aufgenommen wurde. Zu Gast bei "lesezeichen" ist die österreichische und ausgesprochen feministische Schriftstellerin Gertraud Klemm, die sich mit ihren Romanen "Muttergehäuse", "Aberland" oder zuletzt "Hippocampus" einen fixen Platz in der österreichischen Literaturlandschaft gesichert hat. Mit Mia Eidlhuber bespricht sie den Aufbau und die tragenden Personen von "Daheim" und auch darüber, dass es Judith Herman im deutschen Literaturbetrieb nicht immer ganz einfach hatte.

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