
Mutmacher Schule Sonderfolge: Warum mehr Lehrkräfte allein Schule nicht besser machen
Sonderfolge: Warum mehr Lehrkräfte allein Schulenicht besser machen
Ein Impuls von Björn Adam, Mitgründer und Leiter System Change bei beWirken
Hier als Video-Podcast: https://youtu.be/oLXrdEMZJu4?si=EjGMq2Lvk_NHt6FC
„Wir brauchen mehr Lehrkräfte!" – dieser Ruf hallt durch die Bildungslandschaft. Aber stimmt das wirklich? Der Lightning Talk von Björn Adam auf der Konferenz Bildung Digitalisierung am 24. September 2025 in Berlin stellte die scheinbar offensichtliche Lösung für unsere Bildungsprobleme auf den Kopf und enthüllt den Elefanten im Raum: Das Paradigma der Unterrichtsversorgung selbst ist die größte Bremse für echte Transformation.
Kernthema: Warum 800.000 Lehrkräfte das System nicht automatisch besser machen
Die 800.000-Lehrkräfte-Falle:
- Die Lehrkraft als Heldin: Warum wir eine einzelne Berufsgruppe mit immer mehr Erwartungen überfrachten
- Hattie & die Folgen: Wie die Forschung den Fokus einseitig auf die Lehrkraft gelegt hat
- 800.000 Einzelkämpfer*innen: Können wir gute Schule wirklich erreichen, indem wir 800.000 Einzelpersonen durch Fortbildungen jagen?
Lehrkräftemangel – Die Zahlen:
- Dramatische Prognosen: 81.000 bis 180.000 fehlende Lehrkräfte bis 2030/2035
- Unterschiedliche Studien: Von KMK-Prognosen bis zu pessimistischeren Berechnungen
- Die entscheidende Frage: Ist es wirklich ein Ressourcenproblem – oder ein Systemproblem?
Alarmierende Bildungsergebnisse trotz hoher Ressourcen:
- 12,2% Schulabbrecher*innen (EU-Definition): Deutschland auf Platz 4 in der EU
- Nur Rumänien, Spanien und Ungarn haben höhere Quoten
- Die Frage dahinter: Wenn Ressourcen allein es nicht richten – was dann?
Das falsche Paradigma: Unterrichtsversorgung
- Inputsteuerung statt Outputorientierung: Wir messen Lehrerstunden statt Lernerfolg
- "Lineares Fernsehen": Schule als abspulende Veranstaltung statt individueller Lernprozesse
- Die Konsequenz: Mehr vom Gleichen führt nicht zu besseren Ergebnissen – planwirtschaftliche Logik blockiert echte Transformation
Offene Lernformen ohne System:
- Die Gefahr: Offene Lernformen einführen, ohne die Strukturen zu ändern
- Einzelkämpfertum verstärkt: Noch mehr Verantwortung auf die einzelne Lehrkraft
- Was wirklich passiert: Überforderung statt Verbesserung
Was Schule wirklich braucht:
- Weg vom Heldentum: Raus aus dem Einzelkämpfer*innen-Denken
- Neue Berufsbilder: Pädagogische Professionalität in verschiedenen Rollen – ein Berufsbild, das für Lernende und die über 800.000 Pädagog*innen mehr Potenzial entfaltet
- Teamstrukturen statt Kästchenlogik: Kollaborative Systeme statt isolierter Unterrichtsstunden
- Von der Unterrichtsversorgung zur Lernprozessgestaltung: Lernen so organisieren, dass es nicht von der Verfügbarkeit einzelner Lehrkräfte abhängt – Ermöglichungsräume statt planwirtschaftlicher Steuerung
Krise als Chance:
- Diskursverschiebung: Nicht "wie viele?", sondern "wie anders?"
- Systemfragen stellen: Grundsätzlich über Strukturen nachdenken
- Zukunftsorientiert denken: Die aktuelle Situation als Transformationschance begreifen – der Lehrkräftemangel als Katalysator für radikales Umdenken
Links
Personen & Organisationen:
- beWirken: https://bewirken.org
- Björn Adam auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/bjoernadam/
- Mehr über unseren Ansatz der ganzheitlichen Schulentwicklung: https://bewirken.org/schulentwicklung
Wichtige Studien:
- John Hattie – Visible Learning: https://visible-learning.org/de/hattie-rangliste-einflussgroessen-effekte-lernerfolg/
- SWK-Gutachten Lehrkräftegewinnung 2023: https://www.swk-bildung.org/veroeffentlichungen/gutachten-lehrkraeftegewinnung-und-lehrkraeftebildung/
- KMK-Prognose Lehrkräftebedarf bis 2035: https://www.kmk.org/dokumentation-statistik/statistik/schulstatistik/lehrkraefteeinstellungsbedarf-und-angebot.html
Für wen?
Lehrkräfte, Schulleitungen, Steuerungsgruppen, Bildungspolitiker*innen und alle Bildungsakteur*innen, die bereit sind, systemische Grundsatzfragen zu diskutieren und Schule wirklich neu zu denken.
