
Regenerativ & digital – der Business Podcast für regeneratives Wirtschaften und Digitalisierung #74 Simon Beier — Über ethische KI, nachhaltige Rechenzentren & digitale Souveränität — Infomaniak
In dieser Episode von „Regenerativ & digital“ spricht Sebastian mit Simon Beier, Customer Experience Specialist bei Infomaniak. Das Schweizer Unternehmen verbindet seit seiner Gründung Digitalisierung, Nachhaltigkeit und digitale Souveränität – und entwickelt Hosting-, Cloud- und Kollaborationslösungen mit einem konsequenten Blick auf ökologische und gesellschaftliche Verantwortung.
Simon gibt zunächst einen Überblick über das breite Portfolio von Infomaniak: von E-Mail-Hosting, Domains und Webseiten über Cloud Computing und Collaboration-Tools bis hin zu Streaming, Ticketing und datensouveränen Alternativen zu den Angeboten großer US-Anbieter. Dabei wird deutlich, wie stark Infomaniak auf eigene Infrastruktur, Open-Source-Technologien und den Betrieb eigener Rechenzentren setzt.
Ein Schwerpunkt des Gesprächs liegt auf den nachhaltigen Rechenzentren des Unternehmens. Simon erläutert, wie Infomaniak seine Server seit 2013 ohne klassische Klimaanlagen kühlt, warum im neuesten Data Center D4 Außenluftkühlung und ein geschlossener Wasserkreislauf zum Einsatz kommen und wie die entstehende Abwärme für die Versorgung von bis zu 6.000 Wohneinheiten genutzt werden kann. Besonders bemerkenswert: Das Konzept wurde gemeinsam mit der Universität Lausanne entwickelt und open source veröffentlicht, damit andere Betreiber:innen die Methoden übernehmen können.
Darüber hinaus sprechen Sebastian und Simon über Transparenz in der digitalen Infrastruktur. Infomaniak weist den CO2-Fußabdruck der einzelnen Produkte auf den Rechnungen aus und schafft damit eine Grundlage für Emissionsberichte, Scope-3-Transparenz und konkrete Verbesserungen auf Kundenseite. Auch soziale Aspekte spielen eine Rolle – etwa die Verankerung von Arbeitsplätzen in der Schweiz, die Zusammenarbeit mit europäischen Zulieferern und das Engagement in Open-Source-Projekten wie OpenStack.
Ein weiterer großer Themenkomplex ist die digitale Souveränität. Simon erklärt, wie Infomaniak versucht, Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern zu reduzieren, wo Daten verarbeitet werden und welche Bedeutung eigene Rechenzentren, eigener Support und eine möglichst umfassende Kontrolle über die digitale Wertschöpfungskette haben. Dabei geht es auch um die Herausforderungen bei Hardware, Lieferketten und der Verfügbarkeit leistungsfähiger GPUs für KI-Anwendungen.
Im Gespräch geht es außerdem um die ethische KI von Infomaniak. Simon beschreibt, wie offene Modelle in den eigenen Rechenzentren betrieben werden, warum ressourcenschonende Modelle eine wichtige Rolle spielen und wie die Daten der Nutzer:innen geschützt werden. Die beiden diskutieren zudem über Bias in Trainingsdaten, Grenzen von KI-Systemen und die Frage, wie sich verantwortungsvolle KI in der Praxis gestalten lässt.
Takeaways:
- Nachhaltige Digitalisierung beginnt bei der eigenen Infrastruktur und ihrer transparenten Gestaltung
- Rechenzentren können ohne klassische Klimaanlagen betrieben und als Wärmequelle genutzt werden
- Open Source kann dabei helfen, nachhaltige Innovationen schneller zu verbreiten
- Digitale Souveränität umfasst Daten, Software, Hardware, Lieferketten und Support
- Transparente CO2-Angaben auf Rechnungen erleichtern Berichterstattung und nachhaltige Entscheidungen
- Ressourcenschonende KI braucht eine bewusste Auswahl von Modellen und ein kritisches Verständnis ihrer Grenzen
- Europäische Anbieter können Alternativen zu den Lösungen großer außereuropäischer Plattformen schaffen
Mehr über Infomaniak: https://www.infomaniak.com/de
Mehr über das Data-Center-Konzept D4: https://d4project.org
In eigener Sache
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