
Peter Handke in Dichterparadiesen
SWR Kultur lesenswert - Literatur
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Abschlussbemerkung zum Bildband und zur Aussagekraft guter Fotografie.
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Episode notes
Kann das gutgehen? Ein großer Bildband mit 150 Fotos von Peter Handke, allein und in Gesellschaft?
Ja, es kann! Denn erstens hat hier Isolde Ohlbaum auf den Auslöser gedrückt, die deutsche Schriftstellerfotografin par excellence.
Zweitens gehört Peter Handke unter den literarischen Köpfen seit je zu den Ausnahmeerscheinungen.
Und drittens:
„Er ist fotogen, muss man einfach sagen", betont die Münchner Fotografin. Trotzdem lag für Isolde Ohlbaum die Idee zu ihrem großen Handke-Bildband, den sie „Ein Langzeitporträt 1975 bis 2024" nennt, keineswegs auf der Straße, sondern ergab sich aus ihren ganz eigenen Wegen, wie sie sich erinnert.
„Das Ganze verdanke ich eigentlich dem Petrarca-Preis. Also ich habe mir jetzt nicht Peter Handke ausgesucht, sondern ich war 1975 zum ersten Mal auf Einladung von Michael Krüger beim Petrarca-Preis ... und ich fand das spannend, dass eine Preisverleihung mal auf einem Berg stattfindet, also auf dem Mont Ventoux, und da war natürlich auch Peter Handke dabei."
Ein Projekt aus der Begegnung heraus
Handke war nie ein Geschäftsreisender der Literaturlesungen und Podiumsgespräche. Seine poetische Suche strebt nach freiem Himmel, Landschaften und den Erleuchtungen in der Natur. Dazu passen die Schauplätze dieser Aufnahmen, ob in Frankreich, in Italien oder im Haus des Autors bei Paris. Sie bieten das ideale Setting, um den Schriftsteller in seinem Element zu zeigen. „Das war in schönster Umgebung, das waren einfach wunderbare Orte. So sind diese Bilder von Peter Handke entstanden und deshalb haben die auch diese Leichtigkeit, dieses Sommerliche auch." Allenthalben dominiert die Atmosphäre von Landpartien und Gartenfesten: Auf den windumrauschten Höhen des Petrarca-Berges Mont Ventoux, Handke mit hochgekrempelten Hosen im Fluss, mit wehendem Haar beim Kicken, mit Frau und Tochter oder als zugewandter Freund literarischer Kollegen. Zwischen der Fotografin und den Porträtierten herrschte entspanntes Vertrauen.Leichtigkeit, Nähe und Vertrauen
„Sie haben auch alle vergessen, dass ich fotografiere. Es fand ja eigentlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und von daher musste sich auch niemand produzieren. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass er auf diesen Bildern immer völlig gelöst aussieht und kein Star ist. Also ich habe ihn eigentlich nie als Star empfunden." Genauso wie die Begegnung mit der Kamera ist für Isolde Ohlbaum auch die Kenntnis der Werke wichtig. Für einen Textanhang hat sie zwanzig Seiten Handke-Zitate ausgewählt, die in aphoristischer Kürze Einblicke in sein Schreiben und Denken geben. „Man kommt ihm über diese Zitate schon auch näher und stellt fest, er hat auch Humor und auch Selbstironie und er ist einfach ein wunderbarer Beobachter."Fotografie im Dialog mit dem Werk
Die Aufnahmen in diesem Band sind wirkungsvoll auf den Seiten platziert und chronologisch geordnet. Eine Chronik des Handke'schen Wirkens hatte Isolde Ohlbaum jedoch nicht im Sinn. „Das ist eigentlich schon auch mein Peter Handke, es ist einfach ein Zeitraum von 75 bis jetzt, also 50 Jahren, und es ist meine Sicht auf Peter Handke." Natürlich ist dieses Langzeitporträt auch eine Hommage an den Schriftsteller, formvollendet, doch ganz unfeierlich. Es sind Porträts im Freundeskreis, reich an Facetten, ein Stück Literaturgeschichte in Bildern und ein Beispiel für die eminente Aussagekraft guter Fotografie.The AI-powered Podcast Player
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