
Henri Cartier-Bresson – Dr. Ulrich Pohlmann
Die Leichtigkeit der Kunst
Die Entdeckungen und Lebensgeschichte von Henri Cartier-Bresson
Die Diskussion dreht sich um die Entdeckungen in der Fotografiegeschichte, darunter das erste Farbfoto von Alfred Stieglitz und Frank Eugene Smith. Es wird die Lebensgeschichte von Henri Cartier-Bresson beleuchtet, von seinem familiären Druck bis hin zur Gründung von Magnum in New York und seinem fotografischen Werk, das die Psychologie von Situationen und die Interaktion zwischen Menschen einfängt.
Henri Cartier-Bresson | Dr. Ulrich Pohlmann | Bucerius Kunst Forum Hamburg
Eine Leerstelle, die sichtbar wird
Fotografie wird oft über ein einziges Schlagwort erinnert: den „entscheidenden Augenblick“.
Diese Folge setzt einen Schritt davor an – bei der Aufmerksamkeit, bei der Sequenz, bei dem, was ein Kontaktbogen zeigt: dass ein Bild selten allein steht.
Das Gespräch führt in die Ausstellung Watch! Watch! Watch! im Bucerius Kunst Forum Hamburg – und in die Frage, wie Cartier-Bressons Blick bis heute wirkt: als Form von Präsenz, als Geduld, als Entscheidung inmitten von Bewegung.
Hinweis: Diese Episode entstand in Kooperation mit dem Bucerius Kunst Forum.
Dr. Ulrich Pohlmann
Dr. Ulrich Pohlmann ist Fotografie-Experte und Kurator der Ausstellung Watch! Watch! Watch! im Bucerius Kunst Forum. Im Gespräch beschreibt er Cartier-Bresson als Fotografen mit einem ausgeprägten Gespür für Ambivalenz: Situationen, die in sich mehrere Perspektiven tragen, mehrere Wahrheiten, mehrere Zeitschichten.
Dabei geht es weniger um Formeln als um konkrete Bildpraxis: Wie entsteht eine Auswahl? Welche Rolle spielen Serien, Abfolgen, Kontexte?
Bucerius Kunst Forum Hamburg
Das Gespräch ist im Kontext einer Ausstellung entstanden, die Cartier-Bressons Werk als eine lange Bewegung durch das 20. Jahrhundert zeigt – als Fotografie, die Zeitgeschichte berührt und gleichzeitig am Alltag bleibt. Der Ausstellungstitel Watch! Watch! Watch! setzt den Ton: Sehen als Tätigkeit. Nicht als Pose, sondern als Praxis.
Henri Cartier-Bresson und der Blick auf das Davor und Danach
Im Gespräch wird deutlich, wie stark Cartier-Bressons Arbeit über Reihen, Kontaktbögen und Konstellationen verständlich wird. Der „entscheidende Augenblick“ erscheint hier nicht als isolierter Treffer, sondern als Moment innerhalb einer Folge: Es gibt ein Davor, es gibt ein Danach – und dazwischen Entscheidungen, die erst im Rückblick sichtbar werden.
Dr. Ulrich Pohlmann spricht in diesem Zusammenhang über Cartier-Bressons Fähigkeit, Ereignisse von mehreren Seiten zu betrachten. Er nennt das die „Janusköpfigkeit“ einer Situation: ein Bild, das zugleich Spannung und Umkehrung, Nähe und Distanz, Dokument und Frage in sich tragen kann.
Zeitgeschichte im Bild – ohne Eindeutigkeit
Ein Schwerpunkt des Gesprächs liegt auf Fotografien, die Zeitgeschichte geworden sind. Dr. Ulrich Pohlmann beschreibt Situationen, in denen sich gesellschaftliche Umbrüche, Gewalt, Schuld, Wut und Verschiebungen von Rollen verdichten – Bilder, die historisch überliefert sind und gleichzeitig das Unfertige eines Moments behalten.
Hier zeigt sich eine Haltung, die in der Folge mehrfach anklingt: Cartier-Bresson sucht nicht den eindeutigen Kommentar. Er arbeitet mit Wahrnehmung – mit dem Versuch, „objektiven Zufall“ zu erfassen, Ereignisse im Moment ihres Kippens festzuhalten und trotzdem offen zu lassen, was daraus wird.
Ausstellungspraxis, Auswahl, Archiv
Die Folge bleibt nah an kuratorischer Praxis: Was bedeutet es, ein Werk wie das von Henri Cartier-Bresson heute zu zeigen? Welche Bilder stehen im Raum – und welche Kontexte tragen sie? Wie lassen sich historische Linien sichtbar machen, ohne sie zu glätten?
Das Gespräch berührt dabei auch die Frage, wie Cartier-Bresson sich zu Deutschland verhielt, wie Reisen, Aufträge und Kontakte nach 1945 Teil seiner Biografie wurden. Es geht um Arbeit, Präsenz, Begegnung – und um die Rolle von Fotografie als Medium, das Geschichte berührt, ohne sie abzuschließen.
Zur Folge
Diese Episode begleitet eine Ausstellung und bleibt gleichzeitig bei der Fotografie selbst: beim Sehen, beim Material, bei Bildfolgen. Sie ist ein Einstieg in Cartier-Bressons Werk über kuratorische Perspektive und konkrete Beispiele – ruhig, präzise, ohne Formelhaftigkeit.
Themen
Henri Cartier-Bresson · Fotografie · Kontaktbogen · Serie · Zeitgeschichte · Ausstellungspraxis · Kuratieren · Archiv · Biografie Dr. Ulrich Pohlmann
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Diese Episode ist als persönliches Gespräch mit Dr. Ulrich Pohlmann im Rahmen der Ausstellung 2024 „Watch! Watch! Watch!“ im Bucerius Kunst Forum in Hamburg vor Ort entstanden.
Letzte redaktionelle Überarbeitung: Januar 2026.




