
Holger ruft an ... wegen Kulturkritik
Holger ruft an
Algorithmus vs. Marketing
Franzen erklärt, dass Marketing-Budgets stärker problematisieren als Algorithmen bei der Aufmerksamkeit.
Gast: Johannes Franzen, Kulturjournalist Es gebe keine Verrisse mehr, Kunstkritik sei weichgespült – diesen Vorwurf hört man immer wieder. Der Literaturwissenschaftler und Kulturjournalist Johannes Franzen sagt: Diese Debatte sei ein „Diskurstheater“, das alle zwanzig Jahre neu aufgeführt werde. Das heißt allerdings nicht, dass Kritik an der Kritik grundsätzlich ungerechtfertigt ist.
Das eigentliche Problem sei jedoch nicht, dass alle zu nett geworden sind, sondern dass man sich Kritik leisten können muss, meint Franzen, der diese Woche zu Gast im Übermedien-Podcast ist. In vielen Medienhäusern schwänden die Ressourcen. Gleichzeitig trauten sich manche Autor:innen nur noch unter Pseudonym, ein neues Taylor-Swift-Album zu besprechen – aus Sorge, von den Fans der Künstlerin angegriffen zu werden.
Warum ist negative Kritik überhaupt wichtig? Gibt es in Zeiten von Social Media überhaupt noch die großen Kritiker wie Marcel Reich-Ranicki? Wieso sind das größte Problem nicht die Algorithmen, sondern die riesigen Marketingbudgets? Und was hat Goethe über Kritiker geschrieben? Darüber sprechen Holger Klein und Johannes Franzen in der neuen Folge von „Holger ruft an …“.
Der Gesprächspartner: Johannes Franzen ist Literaturwissenschaftler, Kulturjournalist und Mitarbeiter am Seminar für Deutsche Philologie an der Universität Mannheim. Er veröffentlicht Essays unter anderem in der FAZ, der taz und "Zeit Online" und ist Mitbegründer des Online-Feuilletons "54books". Für Übermedien schrieb er eine Serie über die Mechanismen der Aufmerksamkeitsökonomie.
Der Host: Holger Klein ist Podcaster und ehemaliger Hörfunkmoderator. Seit 2021 ruft er für Übermedien jede Woche bei Leuten aus der Medienbranche an, um mit ihnen über aktuelle Medienthemen und ihre Hintergründe zu sprechen.
Links: Leg dich nicht mit Swifties an (Kolumne von Johannes Franzen bei Übermedien) Kulturkritik in der Krise (Recherche von Kathrin Hollmer bei Übermedien) Warum schreibt niemand mehr Verrisse? (Jonathan Guggenberger in der taz) Vom Magazin zum Algorithmus: Was ist aus der Popkritik geworden? (Ji-Hun Kim in „Der Freitag“) Kunstkritik ohne Kotau: Über den Angriff auf die Ballett-Kritikerin Wiebke Hüster (Kolumne von Samira El Ouassil bei Übermedien)
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