
Muss es Kriege geben, Herfried Münkler?
Nur eine Frage
Kooperation, Handel und die Hoffnung auf Dämpfung
Münkler reflektiert, wie Handel und Kooperation Krisen dämpfen sollten, aber nicht immer wirken.
Im neuen Podcast "Nur eine Frage" stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, auf die eine klare Antwort schwer zu finden ist. Er befragt die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können – und versucht, eine klare Antwort zu bekommen.
Seit Jahrhunderten träumt die Menschheit vom ewigen Frieden und führt doch stetig weiter Kriege. Warum kämpfen Menschen gegen Menschen und bringen einander um – obwohl fast alle Weltreligionen das Töten von Menschen verbieten, obwohl es die Menschenrechte gibt, obwohl die UN-Charta gebietet, den Weltfrieden zu wahren? Muss es Kriege geben? Das fragen wir bei "Nur eine Frage" dieses Mal den Politologen Herfried Münkler.
Münkler hält eine Welt ohne Kriege für Wunschdenken: "Angesichts der Welt, in der wir leben, ist es nicht vorstellbar, dass es in absehbarer Zeit keine Kriege gibt." Der Grund: Es gibt keinen Hüter einer friedlichen Ordnung. "Die Geschichte der Vereinten Nationen vor dieser Aufgabe ist eine des Versagens", sagt er.
Herfried Münkler ist der einflussreichste lebende deutsche Politologe und Autor von mehr als 30 Büchern. Er hat mehrere Bundeskanzler beraten, die ZEIT nannte ihn einen "Ein-Mann-Think-Tank". Seine Kritiker hingegen schimpften ihn schon einen "Extremisten der Mitte". Dennoch wurden Münklers 2002 und 2006 erschienene Werke "Die neuen Kriege" und "Wandel des Krieges" zu Bestsellern. Darin attestiert er eine Rückkehr zu "unordentlichen Kriegsformen", was sich maßgeblich in der Privatisierung und Asymmetrierung sowie Demilitarisierung der Kriege äußere.
In seinem neuesten Werk "Macht im Umbruch" analysiert Münkler die Verschiebungen einer multipolaren und nicht länger regelbasierten Weltordnung des 21. Jahrhunderts und die Herausforderungen, denen sich Deutschland und Europa stellen müssen.
Im Gespräch erklärt der Politologe Münkler, dass Kriege überhaupt erst mit der Sesshaftwerdung des Menschen aufkamen – erst jetzt habe es sich gelohnt, Orte mit ihren Ressourcen und Bewohnern zu verteidigen, statt Konflikten aus dem Weg zu gehen. So hätten es die Jäger- und Sammlergesellschaften davor getan, obwohl auch sie den Zustand latenter Gewalt kannten. Münkler zeichnet nach, wie sich Kriegsführung seit der Sesshaftwerdung entwickelt hat: von der frühzeitlichen Schlacht an der Tollense, über den Dreißigjährigen Krieg bis zur Zeit der Kabinettskriege und den Totalen Kriegen der Moderne.
Münkler betont, dass die Auffassung von Krieg und Frieden als zwei unterschiedliche "politische Aggregatzustände" erst relativ spät aufkommt und erklärt, warum das trotz der Negativität des Krieges als zivilisatorische Errungenschaft gelten kann. Letztlich aber sei der Frieden immer auch eine Zeit zur Vorbereitung für den Ernstfall gewesen – ganz im Sinne des Philosophen Thomas Hobbes, sagt Münkler.
Warum der Krieg trotz vermeintlicher zivilisatorischer Fortschritte und angesichts technologischer Errungenschaft ein ständiger und kostspieliger Begleiter der Politik bleibt, warum sich junge Männer zum Teil nach einer "Flucht aus dem Frieden" sehnen und ob künstliche Intelligenz eines Tages Kriege ohne Menschen möglich machen könnte – das und mehr erfahren Sie in der neuen Ausgabe von Nur eine Frage (N1F).
Produktion: ifbbw
Redaktion: Carl Friedrichs, Jens Lubbadeh
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