
Tinnitus verstehen: Wie das Nervensystem den Ton verstärkt – und wieder loslassen kann (Annette Nowak)
PARACELSUS LAB
Integration von Paar- und Systemthemen
Der Blick auf Partnerschaft, Grenzen und Selbstwert wird in die Therapie einbezogen.
„Therapeutisches Ziel ist nicht das Verschwinden des Tinnitus, sondern seine Bedeutungslosigkeit im Alltag.“ – Annette Nowak ist eine der erfahrensten Tinnitus-Beraterinnen im deutschsprachigen Raum. Als Therapeutin und Autorin des Buches „Tinnitus loslassen“ begleitet sie seit über drei Jahrzehnten Menschen dabei, den chronischen Ohrton nicht zu bekämpfen, sondern ihm seine Macht zu nehmen. Ihre Perspektive ist dabei nicht nur fachlich fundiert, sondern auch persönlich geprägt: Eine eigene Tinnitus-Erfahrung nach einer Prüfungssituation und eine lange medizinische Odyssee führten zu einem Ansatz, der heute vielen Betroffenen neue Orientierung gibt.
In dieser Episode PARACELSUS LAB spricht Podcast-Host Matthias Baum mit Annette Nowak über Tinnitus als komplexes Zusammenspiel aus Hörsystem, Gehirn und autonomem Nervensystem. Im Zentrum steht die Erkenntnis, dass nicht allein der Ton selbst entscheidend ist, sondern die Bewertung, die das Gehirn ihm zuschreibt. Stress, Dauerbeschallung und ein dauerhaft aktiviertes Alarm- und Bedrohungssystem begünstigen die Chronifizierung, während Aussagen wie „Damit müssen Sie leben“ den Kreislauf aus Angst und Anspannung oft verstärken.
Aus neurobiologischer und psychophysiologischer Perspektive wird deutlich: Tinnitus entsteht nicht isoliert im Ohr, sondern ist eng mit zentralnervösen Filtermechanismen, emotionaler Bewertung und vegetativer Regulation verknüpft. Annette Nowak erläutert, wie Psychoedukation, emotionale Entlastung, achtsamkeitsbasierte Sinnesübungen und die gezielte Beruhigung des autonomen Nervensystems dazu beitragen können, den Ton aus dem Fokus zu lösen. Ziel ist nicht das Verschwinden des Geräuschs, sondern seine zunehmende Bedeutungslosigkeit für Wahrnehmung, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität. Erfahrungen aus Praxis und Forschung zeigen: Wenn das Nervensystem wieder Sicherheit erlebt, kann das Gehirn lernen, den Tinnitus als irrelevant zu filtern. Pausen, Schlafrhythmus, Grenzen setzen, bewusste Stille und Naturerfahrungen spielen dabei ebenso eine Rolle wie Sprache, innere Bilder und Selbstwirksamkeit. Tinnitus wird so vom Feind zum Hinweisgeber eines Systems, das aus dem Gleichgewicht geraten ist. Wofür ist ein Tinnitus ein Signal? Wie können wir das Nervensystem für die Wahrnehmung von Tinnitus regulieren? Wie kann ein dauerhaftes Geräusch seinen Schrecken verlieren? Antworten direkt aus dem PARACELSUS LAB.
Ein ALL EARS ON YOU Original Podcast.


